Brasilien: Gewalt gegen Quilombolas und ASW Partner

16.05.2022

Landkonflikte und damit zusammenhängende Gewalt sind leider kein neues Thema in Brasilien. Mit Besorgnis stellen wir fest, dass die Gewalt gegen benachteiligte Gemeinschaften wie Quilombolas in letzter Zeit stark zugenommen hat.

Edvaldo Pereira Rocha, erschossen am 29.4.22

Edvaldo Pereira Rocha, erschossen am 29.4.22

Richtet sich die Gewalt gegen indigene Gemeinschaften, ist das einigen Medien immerhin eine kurze Nachricht wert. Die Gewalt gegen andere traditionell lebende Bevölkerungsgruppen in Brasilien bleibt weitestgehend ungehört, insbesondere außerhalb des Landes.

Quilombolas schaffen es kaum in die Medien

So auch bei vielen Quilombola-Gemeinden. Ende April wurde der Sprecher einer Quilombola-Gemeinde im Bundesstaat Maranhão ermordet. Edvaldo Pereira Rocha ist der siebte Quilombola, der seit dem Jahr 2020 im Bundesstaat Maranhao ermordet wurde. Er kämpfte gegen die Ausweitung von Sojaplantagen in traditionelle Gebiete und für den Erhalt eines offiziellen Landtitels seiner Gemeinde. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, aber alle Gemeindemitglieder sind sich einig, dass sein Engagement der Grund für die Ermordung war.

Als Nachfahren ehemaliger Sklav:innen leben die Quilombolas seit etlichen Generationen in den Gebieten, in denen sich ihre Vorfahren nach der Flucht aus der Sklaverei im Verborgenen niedergelassen haben. Obwohl die brasilianische Verfassung von 1988 den traditionellen Gemeinschaften spezifische Landrechte wie kollektive Landzugangsrechte garantiert und die Vergabe offizieller Landtitel fordert, hat der Großteil der Quilombos bis heute keinen offiziellen kollektiven Landtitel erhalten, auf den sie sich juristisch berufen können.

Edvaldo Pereira Rocha kämpfte gegen die Sojabarone

Diese Situation nutzen Agrarbarone aus, die Gemeinden zu vertreiben und ihre landwirtschaftlichen Flächen zu vergrößern. Die Quilombolas wehren sich jedoch dagegen, kämpfen für ihr Land und setzen sich für den Erhalt von offiziellen Landtiteln ein. Dieser Widerstand gegen das Agrobusiness führt dazu, dass insbesondere die Personen, die sich besonders aktiv für die Durchsetzung der Landrechte ihrer Gemeinden einsetzen, zunehmend gefährdet sind. Sie sind Ziel von zahlreichen Einschüchterungsversuchen und Drohungen. Der aktuelle Fall zeigt, dass selbst vor Mord nicht zurückgeschreckt wird. Umso wichtiger ist die Stärkung der Gemeinden, auch, damit sie erfolgreich ihre Rechte durchsetzen können.

Erfahren sie mehr über die durch uns unterstützten Quilombola Gemeinden: https://www.aswnet.de/projekt/Raizes-do-Bacuri