Überschwemmungen in Brasiliens Nordosten: Die Agrarindustrie ist mitverantwortlich

01.02.2022

Brasiliens Region Matopiba, die die Bundesstaaten Maranhão, Tocantins, Piauí und Bahia umfasst, ist derzeit in den Nachrichten des Landes. Im Januar wurde sie vermehrt von Überschwemmungen heimgesucht und viele Familien sind derzeit obdachlos. Fachleute gehen davon aus, dass die Ereignisse durch die starke Entwaldung in dem Gebiet mitverursacht sind.

Überschwemmungen in Brasiliens Nordosten

Die Rekordentwaldung der Region hat bereits viele Gemeinden stark verändert. Allein zwischen Juli 2020 und August 2021 wurden 8.523 km² entwaldet.
„In der Region Matopiba mit seiner natürlichen Cerradovegetation ist die Ausweitung der Landwirtschaft ziemlich bedeutend. Die Agrargrenze schiebt sich immer weiter vor und verdrängt die ursprüngliche Vegetation. Hauptsächlich geht es dabei um den Anbau von Sojabohnen. Die Folge sind erhebliche Veränderungen in der Biodiversität des Ortes, hauptsächlich im Boden“, warnt der an der Universität von Maranhão lehrende Geograph Juarez Mota.

Entwaldung und Monokulturen: Der Boden kann kein Wasser zurückhalten

Normalerweise trägt Vegetation dazu bei, Regenwasser am Boden zurückzuhalten. Ohne sie rauscht bei starken Regengüssen das Wasser einfach durch und kann nicht mehr vom Boden aufgenommen werden. So kommt es zu Überschwemmungen.

Die Art und Weise der Bodennutzung durch die Monokulturen und das Fehlen der natürlichen Vegetation führt zudem zur Verschlammung der Flüsse. In der Folge steigen auch die Flusspegel und es werden nicht nur ländliche Gebiete, sondern auch an den Flüssen liegende Städte und Siedlungen von Überschwemmungen heimgesucht.

Fehlendes Landnutzungsmanagement gepaart mit strukturellem Abbau von Kontrollbehörden und Forschungseinrichtungen tragen zu dieser Situation noch bei. Ein Beispiel dafür ist das Aussetzen des vom Nationalen Institut für Weltraumforschung (INPE) durchgeführten Programms zur Überwachung der Abholzung des Cerrado. Seit April 2021 können somit keine Daten mehr über die Abholzung des Cerrado veröffentlicht werden.

Familienbauer und Agrartechniker José da Luz Costa Filho sieht täglich die Auswirkungen bei seiner Arbeit. Als Angestellter der Diözese von Caritas in Balsas (MA) begleitet er die von den Überschwemmungen betroffenen Familien der Gemeinde Mirador am Fluss Itapecuru, die zwischen dem 31. Dezember und den ersten Januartagen 2022 überschwemmt wurde. "140 Familien wurden vertrieben, 27 Häuser stürzten ein und weitere zehn Gemeinden wurden durch die Überschwemmungen isoliert. Eine solche Situation hat es zuvor noch nie gegeben", sagt Luz Costa Filho.
Er beobachtet zudem, dass die agroindustrielle Produktion in Matopiba bereits zu sozialen Spannungen und gewalttätigen Konflikten geführt hat, insbesondere im Bundesstaat Maranhão. Viele Kleinbauern wurden im Rahmen dieser Konflikte bereits ermordet. „Dieses Entwicklungsmodell tötet und zerstört“, findet Filho. Laut der Landpastorale (CPT) ist Maranhão der Staat mit den meisten Morden in ländlichen Konflikten im Jahr 2021.

Quelle: https://www.brasildefato.com.br/2022/01/23/matopiba-crescimento-do-agronegocio-e-um-dos-responsaveis-por-enchentes-que-assolam-nordeste