Corona in Indien - ASW-Partner weiten Aktivitäten aus

13.05.2020

Die infolge der Corona-Pandemie verhängte Ausgangssperre in Indien trifft Millionen von Armen und Tagelöhnern besonders hart. Der Lockdown wurde nun verlängert - aber je nach regionaler Betroffenheit sind leichte Lockerungen angestrebt.

Insgesamt bleibt die Lage in Indien unübersichtlich. Gestrandete Wanderarbeiter sollen nun, so der Plan, in verschiedenen Etappen Richtung Heimat versendet werden. Es kam dabei bereits zu Gewalttätigkeiten, teilweise sollten die meist mittellosenMigrant*innen selber für den Transport bezahlen.

Mitte April, also nach bereits 21-Tagen der Ausgangssperre, waren von geschätzten mindestens 150 Millionen (andere Zahlen sprechen von 400 Millionen) Arbeitsmigranten in Indien gerade mal 2,2 Millionen mit Nahrung versorgt worden. 98 Prozent hatten keine der versprochenen Bargeldauszahlungen von der Regierung erhalten. 89 Prozent wurden von ihren Arbeitgeber*innen im Lock-Down nicht weiterbezahlt, obwohl das die Regierung so angeordnet hatte. Dies hatten Recherchen des „Stranded Workers Action Network“ ergeben.

Die Unterversorgung vieler Menschen sowohl in Slums, als auch in  ländlichen Gegenden bleibt weiterhin eklatant und insgesamt wird das Krisenmanagement der Zentralregierung – trotz zahlreicher neuer Verordnungen - als ziemlich schlecht beurteilt.
Einige Bundesstaaten sind deutlich bemühter– insbesondere die Regierung in Kerala scheint für die Bewältigung der Pandemie aufgrund eines ausreichenden Netzes an Basis-Gesundheitsdiensten besser aufgestellt zu sein. Auch aus dem Bundesstaat Jharkhand gibt es Erfreuliches zu berichten. Dort wurde jetzt mit einer Neuauflage des MGNREGA-Arbeitsprogramms begonnen, demzufolge ländliche Haushalte 100 Tage garantierte Arbeit zu einem Mindestlohn erhalten - so zum Beispiel beim Bau von Wasserspeichern, Straßen oder bei Dammausbesserungen.

Sehr bedrohlich dagegen ist, was sich in einigen von der hindunationalistischen BJP regierten Bundesstaaten anbahnt: Um die Folgen der Pandemie für die Wirtschaft abzufedern, soll z.B. in Uttar Pradesh die 72-Stunden-Woche (!!) wieder eingeführt werden. Betroffen sind auch Gesetze zur Arbeitssicherheit, zur Gesundheit und zur Regelung der Arbeitsbedingungen. Auch die Gewerkschaftsfreiheit soll ausgesetzt werden. Diese Änderungen sollen 3 Jahre gelten. Das Einzige, was nicht angetastet wurde, sind die Gesetze zur Kinderarbeit.

ASW-Partner weiten ihre Aktivitäten aus

Die ASW hat bereits vor einigen Wochen Nothilfegelder für indische Partnerorganisationen bereitgestellt. Einige ASW-Partnerorganisationen sind an der Versorgung der von ihren Erwerbsquellen abgeschnittenen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln beteiligt. (Das Foto zeigt die Verteilung von Grundgütern durch unseren Partner RDS)

Unter anderem ASES und RDS begleiten Menschen in den Dörfern bei der Umsetzung der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen. Frauen-SHGs stellen Schutzmasken her und verbreiten diese. Es werden Treffen organisiert, die über das Virus, seine Verbreitungswege und über angemessene Hygienemaßnahmen informieren.
Die Organisationen stellen dazu auch Seife und Desinfektionsmittel zur Verfügung. Die Versorgung von Frauen mit Menstruationstüchern stellt ebenfalls ein Riesenproblem dar, das sie etwas zu mildern versuchen.