Indien: Kastenlose und Adivasi profitieren nicht vom Wirtschaftsboom

19.01.2011 · 00:00 Uhr

Von der zunehmenden Industrialisierung hatte man erwartet, dass die traditionelle Benachteiligung der Kastenlosen und Adivasi verschwände. Eine von der Konföderation der Indischen Industrie durchgeführte Erhebung, die erstmals auch die Kastenzugehörigkeit von Industriebeschäftigten erfasst, zeigt, dass diese Hoffnung unberechtigt war. Kastenlose und Adivasi sind als regulär Beschäftigte stark unterrepräsentiert und werden weiterhin in prekären Arbeitsverhältnissen gehalten.

 

Kastenlose und Adivasi stellen mit 250 Millionen Menschen etwa ein Fünftel der indischen Gesamtbevölkerung. Durch das Jahrtausende alte sozial-religiöse Kastensystem werden sie rassistisch ausgegrenzt, ihrer Menschenwürde beraubt und in Sklaverei-ähnliche Arbeitsverhältnisse gezwungen. Obwohl per Verfassung verboten, können sich diese Missstände vor allem in ländlichen Gebieten weiter halten. Letztlich beruht ein Teil des Wohlstandes der indischen Mittelschicht auf der Ausbeutung des billigen Sklavenheeres der Kastenlosen und Adivasi.