Die Lage der Dalits in Modis Indien – eine Begegnung mit N. Paul Divakar

02.03.2020

Kürzlich besuchte der langjährige indische Dalit- und Menschenrechtsaktivist N. Paul Divakar, zusammen mit Manuela Ott von der Dalit-Solidarität in Deutschland, die ASW. Seit Jahrzehnten ist N. Paul Divakar ein engagierter Kämpfer für die Sache der Dalits in Indien. Für die National Campaign on Dalit Human Rights war er auch immer weltweit unterwegs.

Die Dalits – die sogenannten „Unberührbaren“ – repräsentieren aktuell ca. 206 Millionen oder 16,6% der indischen Bevölkerung, die unter der fortgesetzte Diskriminierung durch die „dominanten Kasten“ Indiens leiden. Unter anderem sind Dalits aufgrund dieses Systems dazu gezwungen, bestimmte Berufe auszuüben (u.a. solche die mit der Berührung von Blut, mit dem Tod, mit der Geburt, und mit dem Beseitigen von Abfall zu tun haben), während andere ihnen verwehrt bleiben. Das indische Kastensystem begründet sich im brahmanischen Hinduismus, der in Indien die dominante Religion ist, und wird verstärkt durch patriarchalische, geschlechts- und klassenbedingte Strukturen. Selbst gebildete und politisch progressive Inder*innen können sich nur schwer diesem System entziehen, da der gesellschaftliche Druck immens ist. So werden Dalits bis heute von der indischen Gesellschaft tausendfach „bestraft“, wenn ihnen eine Übertretung ihres Kastenstatus vorgeworfen wird. Solche „Strafen“ äußern sich häufig in Lynchjustiz, Vergewaltigungen, Verstümmelungen und Morden.

Aktuell engagiert sich N. Paul Divakar in der Gründung des Global Forum on Discrimination based on Work and Descent (GFoD). Das ist ein Bund von Organisationen, die sich für die Rechte von Gruppen engagieren, die von „Kastismus“, Anti-Tsiganismus, und modernen Formen der Sklaverei betroffen sind. Solche Gruppen existieren in verschiedenen Ländern. Wie die Dalits leiden sie darunter, dass ihnen Segregation zu anderen gesellschaftlichen Gruppen und Heiratsverbote aufgezwungen und sie an der Ausübung bestimmter Berufe gehindert werden. Auch sie werden als „unrein“ betrachtet, so dass jegliche Berührung oder Kontakt mit ihnen angeblich zu einer „Verschmutzung“ führt.

In Indien hat sich unter der aktuellen Regierung der hindunationalistischen BJP, die personell und institutionell teilweise mit der radikaleren RSS-Bewegung verlinkt ist, die Lage der Dalits weiter verschlechtert. Dies geschieht auch dadurch, dass bestehende Gesetze und Institutionen, die dem Schutz und der Förderung der Dalits dienen, von der Regierung und von regionalen und lokalen Behörden ausgehöhlt werden.