Neue Gewalt in der Westsahara

26.07.2005

26.07.2005

Seit Mai gibt es wiederholt Unruhen in der ehemaligen spanischen Kolonie Westsahara. Aus dem Protest einer Familie gegen die Verlegung eines verhafteten Angehörigen aus der Verwaltungsstadt El Ayun nach Agadir in Marokko entstand eine größere Demonstration für eine unabhängige Westsahara. Die Proteste weiteten sich innerhalb weniger Tage auf andere Städte und sogar in die marokkanische Hauptstadt Rabat aus.

Polizei, Militär und Milizen setzten Tränengas und Schlagstöcke gegen die Demonstranten ein. Es soll über 100 Verletzte gegeben haben. Dutzende Menschen wurden verhaftet, 20 gelten als vermisst. Die Staatsanwaltschaft klagte 33 Demonstranten der „Konspiration“ an. Ende Juni wurden drei Jugendliche Sahraouis, die lediglich an der Demonstration gegen die marokkanische Besatzung teilgenommen hatten, zu insgesamt 50 Jahren Haft verurteilt. Einer spanischen Beobachtergruppe wurde die Einreise verboten.

 

Anlässlich des Besuches einer sahraouischen Politikerdelegation in Berlin protestierten fast alle deutschen Parteien gegen das marokkanische Vorgehen. Sie verwiesen auf die Verantwortung der EU und UN für die Lösung des Konfliktes sowie auf die Dringlichkeit der Neubesetzung des Amtes des UN-Sondergesandten. Seit der Abreise des ehemaligen US-Außenministers James Baker ist dieser Posten vakant.

Der sahraouische Präsident M.Abdelaziz warnte indes vor einem Blutbad, wenn keine gerechte und dauerhafte Lösung für den Konflikt mit Marokko gefunden wird.