Landkonflikte in Pará spitzen sich zu

09.04.2005

Nach dem Mord an Dorothy Stang werden jetzt auch ASW-ProjektpartnerInnen bedroht

09.04.2005

Jahrzehntelang hatte sich die amerikanische Nonne Dorothy Stang für landlose Kleinbauern in Amazonien eingesetzt. Am 12. Februar wurde sie in Anapú im Bundesstaat Pará im Auftrag von fazendeiros (Großgrundbesitzern) kaltblütig erschossen. Wie sicher sich die Täter fühlten zeigte sich in bitterer Weise an einem "Freudenfeuerwerk", das nach dem Mord gezündet wurde.

Im Eilverfahren entsandte Präsident Lula 2000 Soldaten in die krisengebeutelte Region. Die ausführenden Täter waren schnell gefasst. Doch der Auftraggeber, ein fazendeiro der Region, ist flüchtig und seine Festnahme oder gar Verurteilung angesichts der üblichen Straflosigkeit in Pará ist unwahrscheinlich.

Derweil setzte sich die Gewaltspirale fort: zwei Tage nach dem Mord an Stang wurde der engagierte Gewerkschaftler Daniel Soarez de Souza in der Ortschaft Paraupebas umgebracht. Nun haben ein Mitarbeiter eines Projektpartners der ASW sowie ein ihn unterstützender ribeirinho (Flussanwohner) aus der Region um Altamira Todesdrohungen erhalten.

Seit Jahren ist Pará von gewalttätigen Landkonflikten geprägt. Illegaler Holzeinschlag und darauf folgende Rinderfarmen und Sojaplantagen prägen die Situation in diesem Teil Amazoniens. Kleine Gemeinden von FlussanwohnerInnen sehen sich in ihrer ressourcenschonenden Sammelwirtschaft von grileiros, Pionieren auf der Suche nach neuen Bewirtschaftungsflächen für das Agrobusiness, bedroht.

Seit einem Jahr unterstützt die ASW die Flussgemeinde Riozinho do Anfrísio in der Nähe von Altamira mittels einer CB-Funkanlage - Von ASW geförderter CB-Funk... 

Den Menschen soll damit ermöglicht werden, medizinische Hilfe anzufordern und illegalen Holzeinschlag zu melden, wie im letzten November geschehen. In einer dramatischen Aktion musste daraufhin ein Vertreter der Gemeinde von der Waldschutzbehörde IBAMA wegen massiver Bedrohung nach Brasília ausgeflogen werden. Kurz darauf schuf Präsident Lula das von den ribeirinhos schon lange geforderte Naturschutzreservat, in dem nur nachhaltige Sammelwirtschaft erlaubt ist.

Doch angesichts des wachsenden Engagements der FlussanwohnerInnen und Landlosen der Region reagiert das Agrobusiness nun verstärkt mit offener Gewalt.