Wie im wirklichen Indien – Bäuerliche Armut und die Arroganz der Politik im Film "Peepli live"

11.11.2010 · 00:00 Uhr

15.11.2010 Der Kleinbauer Natha ist hochverschuldet und sein Land droht gepfändet zu werden. Er sieht als einzigen Ausweg Selbstmord, durch den seine Familie eine existenzsichernde Entschädigung von der Regierung erhält. Um diesen angekündigten Tod beginnt ein großer Medienrummel und ein Geschacher korrupter Politiker, die alle eine anstehende Wahl in dem fiktiven Bundesstaat Mukhya Pradesh gewinnen wollen ...

 

Mit viel Sympathie für die Dorfbevölkerung hat die Regisseurin Anusha Rizvi mit "Peepli live" die Themen ländliche Armut und Arroganz der Politik zu einem satirischen Film verarbeitet. Auch die Medien, die Rivzi aus ihrer Zeit als Journalistin kennt, kommen nicht gut weg. Die Kleinbauern und das Dorfleben werden realitätsnah gezeigt - von großartigen Darstellern aus einer ländlichen Theatergruppe.

 

In Indien hat der Erstlingsfilm von Rizvi die Kritiker begeistert und ist von Politikern, die sich nur ungern der Realität von rund 20.000 Selbstmorden verschuldeter Bauern pro Jahr stellen, immerhin zur Kenntnis genommen worden. "Mit Interesse habe Manmohan Singh sich den Film angeschaut" sagte ein Sprecher des indischen Premierministers. Der Führer der oppositionellen BJP, Lal Krishna Advani, lobte "Peepli Live" für seine realistische Zeichnung des Dorflebens, hätte sich aber ein anderes Thema als gerade Bauernselbstmorde gewünscht.

 

Uns hat besonders die Szene berührt, in der der Lokalreporter Rakesh um den Tod eines Bauern trauert. Der ist, während Dutzende von Journalisten das Dorf Peepli belagern und Tag und Nacht auf O-Töne von Natha warten, ganz still und unbemerkt gestorben. An Entkräftung. Weil er längst sein Land verloren hatte, versuchte er vom Verkauf von Erde zu überleben, die er Tag für Tag mit einer Hacke aus einem Stück Brachland herausholt. "Warum erzählen wir nicht seine Geschichte?" fragt Rakesh die Fernsehreporterin aus der Hauptstadt. Doch die erinnert ihn an die

Spielregeln ihrer Profession. Man habe nun mal den Bauern Natha gehighlightet und nun erwarte das Publikum, dass man genau seine Geschichte zu Ende erzähle und keine andere.