Burkina Faso: Prozess zum Mord an Thomas Sankara

11.10.2021

Am 11. Oktober 2021 hätte in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou der historische Prozess zum Tod von Thomas Sankara beginnen sollen. Der ehemalige Präsident des westafrikanischen Landes wurde am 15. Oktober 1987 bei einem Staatsstreich ermordet, insgesamt kamen 13 Personen ums Leben. Bei dem Prozess geht es um alle diese Fälle.

Angeklagt sind aktuell 14 Personen, darunter der ehemalige Weggefährte von Sankara und späterer Präsident, Blaise Compaoré. Auf Bitte der Verteidigung wurde der Prozessauftakt nun auf den 25.10. verschoben. Immerhin scheint Frankreich einer Aufhebung der "secret défense" (Geheimhaltung aus Gründen der Staatssicherheit) zugestimmt zu haben, um eine mögliche Rolle Frankreichs untersuchen zu können.

 

Demo in Ougadougou, Burkina Faso

Für viele Menschen des Landes, das bis 1984 Obervolta hieß, war Sankara ein großer Hoffnungsträger und Revolutionär. In seiner nur vierjährigen Amtszeit hatte er die Partizipation und Rechte der Frauen gestärkt, das heimische Gewerbe gefördert und den Kampf gegen Hunger, Korruption und neokoloniale Verhältnisse aufgenommen. Sein Konzept für einen afrikanischen Sozialismus stieß in Europa auf Ablehnung, findet aber unter jungen Menschen in Burkina Faso (wörtlich: "Land der aufrechten Menschen") auch heute viel Zuspruch.

Sankaras mutmaßlicher Mörder Blaise Compaoré blieb nach dem Putsch bis 2014 an der Macht und wurde erst 2014 durch eine starke Volksbewegung aus dem Amt gejagt. Seitdem genießt er Zuflucht in Côte d’Ivoire.

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DW: Gerechtigkeit für Thomas Sankara
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