Simbabwe: 26 Coronatote und über 100.000 Festnahmen

23.07.2020

Seit dem Ausbruch der Covid19-Pandemie wird deutlich, dass Corona mit bislang 1.820 Infizierten (noch) keines der großen Probleme Simbabwes ist, bestehende Probleme aber verschlimmert. Dazu gehören eine galoppierende Inflation, wiederkehrende Dürren und Korruption – vor allem aber erschütternde Menschenrechtsverletzungen.  Die haben in den vergangenen Wochen auch die internationalen Medien beschäftigt.

ASW-Partner übergibt Corona-Schutzmaterial an Klinik

ASW-Partner Women Advocacy Project übergibt Corona-Schutzmaterial an Klinik

  • In Reaktion auf kursierende Gerüchte eines Putschs droht Innenminister Kazembe Kazembe der Zivilgesellschaft, die „auf den illegalen und subversiven Zug der Opposition“ aufgesprungen sei, mit „dem langen Arm des Gesetzes“.
  • Im Schatten des wochenlangen und mittlerweile auf unbestimmte Zeit verlängerten Lockdowns versucht die Regierung die Verfassung zu ändern. Damit soll etwa die Besetzung von hohen Richterämtern zur alleinigen Sache des Präsidenten werden.
  • Gesundheitsminister Obadiah Moyo verliert seinen Posten aufgrund eines korrupten Deals über stark überteuerte Infektionsschutzausrüstung. Unterdessen protestiert das medizinische Personal Simbabwes auf den Straßen gerade wegen fehlender Schutzausrüstung und viel zu geringer Löhne.

Am 23.5.2020 wurden zwei Journalisten angeklagt, mit der Begründung, sie hätten die Abstandsregeln nicht eingehalten. Sie wurden von der Polizei festgenommen, als sie in einem Krankenhaus zwei Opfer mutmaßlicher Entführungen interviewen wollten.

Der mehrfach ausgezeichnete und weltweit bekannte Simbabwische Journalist Hopewell Chin’ono wurde am 20. Juli aufgrund seiner kritischen Berichterstattung, die unter anderem zur Entlassung des Gesundheitsministers führte, verhaftet. Auf seinem Twitterkanal veröffentlichte er täglich Nachrichten zu Korruption und den Protesten auf den Straßen Harares. Sein Konto ist nun gelöscht.

Jacob Ngarivhume, Leiter von Transformation Zimbabwe, wurde am 22. Juli verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, er sei an der Organisation einer groß angelegten Anti-Korruptionsdemonstration beteiligt, die am 31.7.2020 stattfinden soll.

Auch wenn sich die Zahl der Coronainfektionen in der letzten Woche fast verdoppelt hat, drängt sich der Eindruck auf, dass die Regierung die aktuelle Krise nutzt, um kritische Menschen verschwinden zu lassen.

Klemens Thaler

Siehe auch:
https://www.amnesty.org/en/latest/news/2020/07/zimbabwe-authorities-continue-their-crackdown-on-dissent-with-arrest-of-investigative-journalist-and-activist/