Indien: Mit starken Frauen die Krise auffangen. Eine Bitte um Beistand

13.01.2022

Die mit ASW-Unterstützung aufgebaute NGO „Women Organisation for Rural Development“, WORD, im indischen Bundesstaat Odisha verhilft  Frauen aus Adivasigemeinschaften (Indigene) nachhaltig zu einem selbstbestimmten Leben. Frauen werden in Selbsthilfegruppen organisiert und konnten mit der Rückendeckung von WORD ihre Landrechte verteidigen, gemeinschaftliche Saatgutbanken aufbauen und an Dorfversammlungen partizipieren.

Doch Covid-19 und zahlreiche Wirbelstürme in Odishas Küstenregion in den vergangenen zwei Jahren schufen eine neue Situation. Daher hat sich das Team von WORD jüngst mit folgendem Brief an unser Indienreferat gewandt.

Koordinatorin von WORD in Odisha, Indien

Mitarbeiterinnen von WORD bei einem Dorfbesuch

 „Wir sind alle in Sicherheit und es geht uns gut. Wir sind froh zu wissen, dass auch Ihr alle in Sicherheit seid (…).
WORD hat seine Reichweite und sein Engagement auf Gemeindeebene im Laufe der Jahre erweitert. Die Unterstützung der ASW hat einen großen Beitrag zur Stärkung der Frauen in unserem Projektgebiet geleistet. Zu den wichtigsten Ergebnissen gehören die Ausbildung von Mädchen und die Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern. Auch dass Frauen nun am Entwicklungsprozess partizipieren, sich in Gemeinderäte wählen lassen und dass ihre Selbsthilfegruppen Gelder aus Regierungsprogrammen mobilisieren können, ist für uns ein großer Erfolg.

 

Gewalt gegen Frauen und Verlust der Lebensgrundlage

Warum also bitten wir die ASW, die uns bis 2011 zehn Jahre lang unterstützt hat, erneut um einen Zuschuss? Der Grund dafür ist schlicht und ergreifend die Corona-Pandemie, die das Leben und die Lebensgrundlage armer ländlicher Tagelöhner:innen, Kleinhändler:innen und anderer kleiner Selbstständiger stark beeinträchtigt hat. Darüber hinaus haben wiederholte Zyklone und Überschwemmungen in Odisha im November und Dezember 2021 der erntereifen Reisernte des Jahres irreparable Schäden zugefügt (…).

In der Coronazeit haben bekanntlich viele männliche Vertragsarbeiter ihre Jobs verloren. Sie sind nun wieder zu Hause und erschweren das Familienleben. Die Frauen müssen nun die Last des gesamten Familieneinkommens fast alleine schultern. Die Ernteausfälle erschweren das. Somit sind viele bäuerliche Familien nun einem hohen Risiko von Ernährungsunsicherheit ausgesetzt. Die häusliche Gewalt nimmt zu – und ebenso die Not-Migration (…).

 

Frauen stärken und Abwanderung verhindern
 

Wir haben zwar eine Frauengruppe aufgebaut, über die Frauen widerstandsfähiger werden, gegen Gewalt gegen Frauen angehen und alternative Möglichkeiten für den Lebensunterhalt erkunden. Aber wir müssen allen armen Familien, insbesondere den jungen Mädchen und Frauen mittleren Alters, helfen, mit der Situation fertig zu werden. Nur so können wir die Abwanderung verhindern (…).

Daher würden wir nun gerne für etwa 100 solcher Familien im Telkoi-Block im Distrikt Keonjhar ein dreimonatiges intensives Training zum Aufbau von Fähigkeiten zur Sicherung des Lebensunterhalts durchführen. Der Schwerpunkt soll dabei auf Haushalten mit alleinstehenden Frauen, unverheirateten Müttern, unverheirateten Frauen ohne familiäre Unterstützung oder gefährdeten Frauen liegen, die einem hohen Risiko von Missbrauch und ausbeuterischer Arbeit ausgesetzt sind.
 

Die Gemeinschaften für die Zeit nach Covid rüsten

Diese Unterstützung wird als Sofortmaßnahme für die Zeit nach COVID benötigt, um die Abwanderung zu verhindern und gleichzeitig die Lebensgrundlage wiederherzustellen und das Familieneinkommen aufzustocken. (…)
Neben der Qualifizierung wird den Projektbegünstigten auch ein kleines Startkapital für den saisonalen Gemüseanbau und die Beschaffung von Vieh zur Verfügung gestellt.

Diese Unterstützung wird für die Zeit von Februar bis Juni 2022 benötigt (…), da in dieser Zeit das Risiko einer Notwanderung vor der Regenzeit in unserem Gebiet und dem Beginn des Reisanbaus hoch ist. Wir werden Euch den Vorschlag noch mit einem detaillierten Budget zur Prüfung vorlegen.
 

Seid versichert, dass es uns allen gut geht, und nochmals vielen Dank für Eure liebevollen Worte und Besorgnis. Wir freuen uns darauf, von Euch zu hören, und würden uns freuen, Euch wieder in unserem WORD-Büro begrüßen zu dürfen, sobald die COVID-Pandemie vorüber ist.“