Terror in Burkina Faso - Dialog gegen Radikalisierung

Radikalisierung und gewalttätiger Extremismus gehören im Sahel zum Alltag. Seit dem Libyenkonflikt haben extremistische Gruppen ihren Wirkungsbereich auch auf Mali, Niger, Mauretanien, Tschad und seit 2015 zunehmend auch auf Burkina Faso ausgeweitet. Nach Angaben der Vereinten Nationen hat die Gewalt im Norden und Osten Burkina Fasos, wo das Land an Mali und Niger grenzt, schon rund 800.000 Menschen in die Flucht geschlagen.

Der Konflikt wird zunehmend komplexer, da immer mehr radikale Gruppen in gefährdeten Gemeinschaften mit ihren Rekrutierungsmethoden Erfolg haben und sich Individuen aus verschiedenen Gründen (Schutzbedarf, Frustration, Perspektivenlosigkeit, Existenzsicherung, Unwissenheit usw.) freiwillig oder unter Androhung von Gewalt anschließen. Hinzu kommt die zunehmende Stigmatisierung bestimmter ethnischer Gruppen, insbesondere der Fulbe bzw. Fulani oder Peul. So wurden bspw. als Reaktion auf einen Terroranschlag im Januar 2019 in Yirgou, zwischen 13 und 80 Fulbe (Angaben variieren stark) in der Region von Dorfbewohnern aus Yirgou, größtenteils Angehörige  der Mossi, ermordet. Bis heute gibt es immer wieder Protestmärsche, die eine vollständige Aufklärung dieses Vorfalls und eine Wiederherstellung der Gerechtigkeit fordern. Diese Demonstrationen werden auch von Akteuren, die Hass und Gewalt propagieren genutzt und schwächen dadurch den sozialen Zusammenhalt weiter.

Was Cercle Dev der Gewalt entgegensetzt

Die ASW empfindet es aufgrund der sich immer weiter verschlechternden Situation als solidarische Notwendigkeit unsere Mitmenschen in Burkina Faso dabei zu unterstützen, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Mit Cercle.Dev konnten wir einen neuen Partner gewinnen, der in der Grenzregion sowohl auf Nigrischer als auch auf Burkinischer Seite arbeitet. Cercle.Dev entwickelt gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung Initiativen, um der Ausbreitung von Gewalt entgegenzuwirken und die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaft gegenüber extremistischen Gruppen zu stärken.

Cercle.Dev will die sahelische Bevölkerung an ihre eigene Stärke erinnern: Ob nomadisch oder sesshaft, die Menschen haben im Laufe der Zeit viele Mechanismen entwickelt um etwa mit dem kargen Klima fertig zu werden. Transhumanz, Nomadentum und die Praxis der verstreuten Landwirtschaft, gehören seit jeher und über ethnische Grenzen hinweg zu den Überlebensstrategien im Sahel. Folglich glaubt Cercle.Dev an das Potenzial der Widerstandsfähigkeit der Sahelbevölkerung, um auch mit dem Phänomen der Radikalisierung und des gewalttätigen Extremismus fertig zu werden. Das reiche Potential der kulturellen Dynamik, die zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen (Fulani, Songhai, Tuareg etc.) besteht, soll also genutzt werden.

Dialogkarawane stärkt das Potential der Gemeinschaften

Ihre von der ASW geförderte Dialogkarawane zielt darauf ab, lokale Mechanismen zur Erhaltung des sozialen Zusammenhalts zu entwickeln und zu verbessern. Die lokalen Gemeinschaften werden dabei in den Mittelpunkt der Suche nach wirksamen und angemessenen Lösungen für die Probleme der Radikalisierung und des gewalttätigen Extremismus gestellt. Dabei wird in dreitägigen Workshops der Dialog innerhalb einer Kommune zwischen Ethnien, Religionen, Generationen und Institutionen gefördert und ein Frühwarnsystem gegen das Abdriften von Individuen in den Extremismus erarbeitet. Die Dorfgemeinschaft entwickelt ihre eigene Position gegen Terrorismus und sagt schließlich klar und eigenverantwortlich „Nein zu Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus".

Mit der weltweiten Verbreitung des Coronavirus ist die Bevölkerung Burkina Fasos nun einer weiteren Bedrohung ausgesetzt. Die Regierung hat ähnlich wie in europäischen Ländern bereits einige Maßnahmen zur Eindämmung der schnellen Ausbreitung des Virus ergriffen. Gerade für Menschen auf der Flucht wird es jedoch in vielen Fällen unmöglich sein, Empfehlungen hinsichtlich Hygiene und sozialer Distanzierung umzusetzen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns jetzt und auch nach Ende der Coronakrise für internationale Solidarität einsetzen.