Damit Arbeitsmigration die Existenz sichert

Im Wanaparthy-Distrikt im Bundesstaat Telangana ist die Landwirtschaft für viele Familien zu einem Glücksspiel geworden. Aufgrund unregelmäßiger Niederschläge und ausbleibender Monsunregen gehen die Ernten zurück. Schulden, die für Dünger oder Saatgut angefallen sind, können nicht mehr beglichen werden. Immer mehr Menschen mussten in den vergangenen Jahren die Dörfer verlassen oder Teile der Familien auf Arbeitsmigration schicken.

Die ASW-Partnerorganisation RDS begegnet der Situation zweigleisig. Die dörflichen Gemeinschaften werden mit workshops beim Umstieg auf eine angepasste Landwirtschaft begleitet, die trotz Trockenheit höhere Erträge bringt. Parallel setzt RDS an den Zielorten dieser Migrant*innen an, die dort meist als prekäre Hausangestellte enden. 

Organisierung bedeutet Stärke

Die Organisierung dieser oft kastenlosen und über ihre Rechte nicht informierten Menschen steht für RDS ganz oben auf der Agenda. In funktionierenden und sich regelmäßig treffenden Aktionsgruppen können die Frauen sich gegenseitig unterstützen, einander stärken und auch öffentlichkeitswirksam Druck aufbauen. Sie lernen, ihre Rechte einzufordern, mit Behörden und Arbeitgebern zu verhandeln und sich mit anderen zu vernetzen.  Dabei sollen Nationale Feiertage für Zusammenkünfte, Agitation, Feiermöglichkeiten und zur "Urlaubserzwingung" genutzt werden.

Die Organisierung der Hausangestellten durch RDS und ihre Solidarisierung trägt schon Früchte. Die Frauen unterstützen sich nun gegenseitig bei Problemen mit Arbeitergeber*innen. Und letztere werden durch den Kontakt zu RDS ebenfalls mehr und mehr für die Rechte ihrer Hausangestellten sensibilisiert. So organisiert RDS zum Beispiel jährliche Interaktionstreffen mit allen Arbeitgeber*- und Arbeitnehmer*innen.

Die Erfolge des Projekts gehen zudem auch über der Sicherstellung würdiger Arbeitsbedingungen für die „Domestic Workers“ hinaus: der 20-jährigen Kasturi, die mit 17 nach dem Tod ihrer Mutter deren Hausanstellung übernahm, um sich und ihre 3 Geschwister weiter zu finanzieren, konnte durch ein Stipendium der weitere Schulbesuch ermöglicht und das von ihr erträumte Chemie-Studium in Aussicht gestellt werden.

Auch mit einigen der älteren Frauen arbeitet RDS daran, weitere Finanzierungsmöglichkeiten aufzubauen: sei es mit gemeinsamen Sparkonten mit einem monatlichen Beitrag von 10 Rupien je Mitglied für die abwechselnde Ermöglichung von Anschaffungen, oder sei es durch Qualifizierungsprogramme z.B. für Näharbeiten als weitere Einkommensmöglichkeit.

Daran, dass durch die Aktivitäten von RDS das Selbstbewusstsein und die Selbstvertretungsfähigkeit der Frauen entschieden gestärkt wurden, bleibt kein Zweifel, als am Ende eines Projektbesuchs eine der Frauen aufsteht und betont: „Als nächstes brauchen wir Gesundheitskarten, damit wir für die Regierung etwas vorzuweisen haben!“

All das zeigt, wie wichtig der Zusammenschluss von Menschen in stark ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen ist. Forderungen gegenüber Dienstherren und -frauen können nur durchgesetzt werden, wenn diese mit Druck, Streik oder rechtlichen Konsequenzen zu rechnen haben.
 

Wir bitten Sie diesen wichtigen Ansatz im Bundesstaat Telangana mit Ihrer Spende zu unterstützen.