Simbabwe: Wenn Menschen den Boden unter den Füßen verlieren

Anfang Mai besuchte unser Länderreferent Klemens Thaler Simbabwe. Er brachte Eindrücke von Ernteausfällen auf dem Land und von einer angespannten Situation und schwierigen Versorgungslage in den Städten mit.

 

Anfang Mai durfte ich die ehemalige Kornkammer Afrikas, Simbabwe, besuchen und bin mit Begeisterung und Sorge zurückgekehrt: Atemberaubende Landschaften, vergleichsweise gute Straßen, eine funktionierende Eisenbahn, sehr herzliche, aber besorgte Menschen und vor allem im Südwesten des Landes Trockenheit.

Viele Kleinbäuer*innen, die ich auf der Reise kennenlerne, erzählen davon, dass es in der vergangenen Regenzeit fast nie und wenn dann extrem stark geregnet hat. Aufgrund der ungleichen Verteilung des Niederschlags über die Saison konnte der ausgetrocknete Boden das Wasser nicht aufnehmen und speichern. Die Konsequenz sind enorme Ernteausfälle und damit geringeres Einkommen und in vielen Fällen auch Hunger: Pro Hektar werden dieses Jahr fallweise weniger als 300 kg Mais pro Hektar geerntet; in guten Jahren sind es weit über 1.000 kg. Der geringe Jahresniederschlag verschärft zudem den Bodenverlust in der Region und bereits vegetationsarme Flächen werden vom Vieh kahl gefressen. Wenn es dann nach langer Trockenheit stark regnet, fehlt das Wurzelwerk der Pflanzen, um den Boden zusammenzuhalten. Dadurch erodiert das Land und den Bäumen wird mancherorts wahrlich der Boden unter den Füßen weggerissen.

Neben den Herausforderungen, die Simbabwe aufgrund des Klimawandels bewältigen muss, ist auch die sozioökonomische Lage angespannt. Bereits im Januar kam es zu Unruhen, weil die Benzinpreise in den Himmel schossen und die Treibstoffe knapp wurden. In den zehn Tagen meines Besuches in Simbabwe hat sich die Situation erneut zugespitzt. So waren an meinem ersten Tag noch Warteschlangen von 5-8 Autos pro Zapfsäule normal. Am Tag vor der Abreise waren es bereits zehn Mal so viele. Sowohl in der Stadt als auch auf dem Land klagen die Menschen darüber, dass sie täglich Verluste machen, weil sie stundenlang auf eine Tankfüllung warten und selbst dann manchmal leer ausgehen.

Die Proteste im Januar wurden teilweise gewaltsam niedergeschlagen; es gibt Berichte über verletzte, vergewaltigte und getötete Aufständische. Sollte es wieder zu Demonstrationen kommen, hoffen wir auf einen friedlichen Umgang mit der Situation.

Klemens Thaler