COVID19 in Burkina Faso – Die Sicht einer ASW-Partnerin


Seit März 2020 ist auch Burkina Faso von COVID-19 betroffen. Unsere Partnerin Ini Damien, zieht ein Resümee aus den letzten Monaten und dem Leben mit der Corona-Pandemie. Wir danken der Gründerin der „Aktion zur Stärkung der Frauen in Gaoua“, APFG, für diese Einschätzung, die uns zeigt, wie wichtig internationale Solidarität in diesen Zeiten ist.

„Am 1. Mai zählte Burkina Faso offiziell 652 Infizierte, von denen 535 wieder gesund sind und 44 der Krankheit erlagen. Um die Ausbreitung dieser Pandemie einzudämmen, veranlassten die burkinischen Behörden rasch mehrere Maßnahmen, darunter sehr restriktive, wie die Schließung der Grenzen und des Luftraumes, die Verhängung von Ausgangssperren, Schließung von Märkten, Bahnhöfen, Schulen und Universitäten, Fabriken, Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben wie Gastronomie und städtische sowie regionale Verkehrsbetriebe. Zudem wurde ein Zusammenkommen von mehr als 50 Personen verboten.

Diese Maßnahmen sind zwar notwendig, bleiben aber nicht ohne Folgen für die Wirtschaft des Landes und das tägliche Leben in Burkina Faso.

Folgen für die Wirtschaft

Auch wirtschaftlich gesehen hat sich Covid-19 auf Burkina Faso und andere afrikanische Länder ausgewirkt, denn wie ein afrikanisches Staatsoberhaupt sagte: "Wir konsumieren, was wir nicht produzieren, und produzieren, was wir nicht konsumieren". Die starke Abhängigkeit der afrikanischen Länder von der Außenwelt sowohl bei der Produktion als auch beim Verbrauch, ist eine der Hauptursachen für die schädlichen Folgen von COVID-19 für die afrikanischen Volkswirtschaften. Sollte die Pandemie wichtige externe Handelspartner stark belasten, wird die Rechnung für die betroffenen afrikanischen Länder wahrscheinlich noch schlechter ausfallen.

Bereits jetzt sind die Lieferketten unterbrochen worden, weil viele chinesische Fabriken ihren Betrieb eingestellt haben. Diese Produktionseinstellung hat in einigen afrikanischen Ländern zu höheren Preisen geführt und die lokale Industrie in Schwierigkeiten gebracht. Auch die öffentlichen Finanzen der Länder des afrikanischen Kontinents werden von dieser Pandemie betroffen sein. Der Rückgang der Exporteinnahmen wird zum Anstieg der Staatsverschuldung beitragen.

Die Verlangsamung der Wirtschaft und die damit einhergehende höhere Arbeitslosenquote, die Ausgangssperren, die Quarantänemaßnahmen: Dies alles schwächt die Menschen in unserem Land. Die Armut und die Unsicherheit treiben viele Menschen in die (bewaffnete) Beschaffungskriminalität.

Die Pandemie hat durch die Unterbrechung der einkommensschaffenden Tätigkeiten der Frauen (Kleingewerbe, Restaurants, Verkauf von Nahrungsmitteln und Gewürzen) auch schwere Folgen für die Haushaltseinkommender Familien.

Deshalb arbeiten wir Mitarbeiter*innen der APFG unermüdlich daran, die Situation in unseren Dörfern zu verbessern. Denn die Hilfsmaßnahmen der Regierung (drei Monate gratis Strom und Wasser) sind unzureichend und vergrößern die Kluft zwischen arm und reich.

 

Folgen für die Gesellschaft

Diese Pandemie schädigt das Wohlbefinden der Menschen in Afrika. COVID-19 verschlechtert den sozialen Zustand der Bevölkerung, was sich  sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite niederschlägt. Der Einkommensrückgang der afrikanischen Bevölkerung hat interne und externe Ursachen:

  • Intern sind dies zum einen die von den verschiedenen Regierungen verhängten Eindämmungs- und Quarantänemaßnahmen. Tatsächlich hat die burkinische Regierung, wie auch die anderen von COVID-19 betroffenen Länder, Vermeidungsmaßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen.
  • Und andererseits die proaktiven Maßnahmen, die von den verschiedenen Unternehmen beschlossen wurden, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. All diese Maßnahmen werden zu einer Aussetzung der Aktivitäten und damit zu Lohneinbußen für die Arbeiterinnen und Arbeiter führen. Besonders betroffen ist der informelle Sektor, der fast 80% der Arbeitnehmer*innen des Landes ausmacht. Trotz der unternommenen Anstrengungen profitieren sie von keinen Sozialleistungen oder der Arbeitslosenversicherung. Zum Beispiel waren Teilzeitlehrer*innen an Sekundarschulen von März 2020 bis Juli 2020 ohne Einkommen und konnten folglich die Grundbedürfnisse ihrer Familie nicht befriedigen.
  • Die von der burkinischen Regierung beschlossene Schließung von Schulen führt oft zu Schulabbrüchen, ungewollten Schwangerschaften und einer Generation von Schüler*innen, deren Bildung geopfert wird. Zu Beginn des Schuljahres mussten wir trotz gezieltem Förderunterricht ein sinkendes Bildungsniveau bei unseren Schüler*innen feststellen. Viele Familien können sich einen Schulbesuch ihrer Kinder schlichtweg nicht mehr leisten.

Die sozialen Folgen der Pandemie treffen also besonders die ohnehin gefährdeten Frauen und Kinder.

Auch auf Familienplanungsdienste wirkt sich COVID-19 negativ aus. Vor Angst, sich mit der Krankheit anzustecken, besuchen Frauen seltener Familienplanungsdienste, wie die CSPS (Centres de Santé et de Promotion Sociale). Durch die Ausgangsbeschränkungen sind Paare jedoch in der Regel mehr in Kontakt miteinander, wodurch sich der regelmäßige Geschlechtsverkehr und damit das Risiko unerwünschter Schwangerschaften erhöhen.

Es gibt jedoch Hebel, die die burkinische Regierung einsetzen kann, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie einzudämmen.

Wege zur Eindämmung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie

Burkina Faso hat, wie andere afrikanischen Regierungen, Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ergriffen, um die Bevölkerung zu schützen. Zu diesem Zweck hat die Regierung über Organisationen der Zivilgesellschaft einige Mechanismen eingerichtet, um:

  • Weitere Sensibilisierung für Vermeidungsverhalten zur Begrenzung der Ausbreitung der Krankheit, um die gesundheitlichen, aber auch die wirtschaftlichen Folgen zu begrenzen.
  • die Einrichtung von Sicherheitsnetzen zum Schutz der Lebensgrundlagen der Bevölkerung.
  • Hilfe für die Bevölkerung durch Maßnahmen zur kostenlosen Bereitstellung bestimmter grundlegender Dienstleistungen, durch Sach- und Geldhilfe oder durch finanzielle Unterstützung lebensfähiger Unternehmen im formellen und informellen Sektor. 
  • Mit der Entwicklung der Pandemie werden jedoch einige ihrer Vermeidungsmaßnahmen in Frage gestellt werden (z.B. das obligatorische Tragen einer Mund-Nasen-Maske).
  • Verbesserung der Gesundheitsdienste und Entscheidungsfindung speziell für die Familienplanung

 

Schlussfolgerung

Die Gesundheitskrise, von der die Welt derzeit betroffen ist, hat wirtschaftliche Folgen. Angesichts der wechselseitigen Abhängigkeit des afrikanischen Kontinents vom Rest der Welt, ist Burkina Faso, wie auch andere afrikanischen Länder, ebenfalls stark betroffen. Diese Gesundheitskrise wird zum Rückgang der Produktions- und Entwicklungsaktivitäten der Länder beitragen. Die öffentlichen Finanzen der afrikanischen Staaten werden aufgrund des Rückgangs der öffentlichen Einnahmen und des Anstiegs der Staatsverschuldung sinken.

Für die Bevölkerung ist diese Gesundheitskrise gleichbedeutend mit einem Rückgang des Wohlbefindens. All diese katastrophalen Folgen erfordern Antworten, die den Strukturen der afrikanischen Wirtschaft Rechnung tragen. Diese Maßnahmen werden nur unter Beteiligung der internationalen Gemeinschaft wirksam sein, insbesondere durch die Erleichterung der Auslandsverschuldung des Kontinents. Darüber hinaus muss diese Pandemie auch die Regierungen der afrikanischen Länder in die Lage versetzen, nachhaltige Lösungen für künftige Krisen zu finden.

Es ist an der Zeit, dass die afrikanischen Staaten Lehren ziehen und echte entwicklungspolitische Projekte vorschlagen, die auf einem gerechteren, widerstandsfähigeren und nachhaltigeren Afrika basieren. Die Rolle der zivilgesellschaftlichen Organisationen war und ist dabei entscheidend. Die Verbände kämpfen immer wieder in ihren Gemeinschaften um eine Verbesserung der Lebensbedingungen. Aber sie haben nur begrenzte Mittel. Unterm Strich geht es wieder einmal um das blanke Überleben. Die Menschen sind müde, die Gesichter sind müde, die Blicke sind traurig. In Afrika lächeln die Menschen die ganze Zeit, mit COVID verschwindet das Lächeln allmählich.“

Ini Damien, APFG