CACIT bei einem Workshop zu Menschenrechten in Togo

Grundrechte einfordern und auf Dorfebene partizipieren

TOGO

Die Menschenrechtslage in Togo ist katastrophal. Das bestätigen nicht nur internationale, sondern auch Menschenrechtsorganisationen des westafrikanischen Landes. Die Togolesische Liga für Menschenrechte (LTDL) beschreibt in ihrem Bericht für 2019 eine umfassende Verweigerung der Bürgerrechte von einem auf Willkür basierenden politischen System.

In den ländlichen Gebieten Togos ist die Situation besonders gravierend. Fast 60% der Bevölkerung lebt in Dörfern und ist abgeschnitten von Informationen. Die Menschen, zumeist Bäuer*innen, sind sich ihrer grundlegenden Rechte oft nicht bewusst. So erhalten sie nur schwer Zugang zu Sozialleistungen oder anderen staatlichen Hilfen.

Zusätzlich hat ein Großteil der Menschen in den Dörfern keine Geburtsurkunde oder Personalausweis. Ohne diese Papiere bleiben ihnen Bürgerrechte verwehrt, wie die Teilnahme an Wahlen. Auch Behörden und Sicherheitskräfte machen sich die Unwissenheit zunutze - gegen Missbräuche durch Beamte können sich die Menschen kaum wehren. Als Folge entsteht ein Verhältnis voll Angst und Misstrauen zwischen den Behörden und der Bevölkerung.

 

Kennenlernen der durch die Verfassung garantierten Rechte

Mit Sensibilisierungskampagnen und Aufklärung möchte unsere Partnerorganisation CACIT die Menschen in den ländlichen Regionen unterstützen, ihre Grundrechte zu kennen, sie einzufordern und zu verteidigen. Die Menschen werden über Informationsmaterial in der lokalen Sprache informiert und können sich bei Schulungen über Menschenrechte austauschen.

CACIT versucht vor allem, die Menschen in einen Dialog mit Vertreter*innen des Staates und der lokalen Behörden zu bringen. Der direkte Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren hilft dabei, das Verhältnis der Angst und des Misstrauens zu entspannen. Dabei bietet sich auch die Gelegenheit, sensible Themen anzusprechen und beide Seiten an ihre Rechte und Pflichten gemäß der Gesetze und Vorschriften des Landes zu erinnern.

 

Politische Partizipation und Schaffung von Warnkomitees

Die seit 2020 bestehende Möglichkeit für die Bevölkerung, Bürgermeister zu wählen, die aus den eigenen Dorfgemeinschaften kommen, ist beispielsweise eine Chance die Beziehung zwischen den Behörden und der Bevölkerung weiter zu stärken.

Außerdem hat CACIT in jeder Region Warnkomitees eingerichtet. Diese Komitees sind für die Entgegennahme von Beschwerden bei Menschenrechtsverletzungen aus der Bevölkerung zuständig. Sobald diese Beschwerden bekannt sind, unterstützt  CACIT die Opfer, um Wiedergutmachung zu erhalten und sicherzustellen, dass die Täter bestraft werden. Zusätzlich werden Geburtsurkunden und Personalausweise ausgestellt, damit gerade auch Frauen wählen gehen können und so ihre Stimme erheben und politisch partizipieren.

 

Die bisher Ausgeschlossenen erhalten eine Stimme

CACIT versucht insbesondere junge Menschen zu organisieren und ihr Interesse an Menschenrechten und politischen Themen zu stärken. Sie sind oft von wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen, weil die oft zwischen den politischen Behörden und den traditionellen Autoritäten des Dorfes ausgehandelt werden.

Mit ihrer Arbeit gibt die Organisation CACIT auch den Ärmsten in Togo eine Stimme und bestärkt sie in ihren grundlegenden Rechten. Das ist wichtig, damit ein demokratischer Wandel stattfinden kann. CACIT interagiert zusätzlich auch mit anderen togolesischen Organisationen. Zusammen mit unserer Partnerorganisation FCTD setzen sie sich beispielsweise für die Freilassung politisch Gefangener in Togo ein.