
Landwirtschaftliches Frauenkollektiv von SMS verkauft ihre Produkte auf einem lokalen Markt
In Jharkhand, einem rohstoffreichen Bundesstaat in Indien, sind etwa 90% der arbeitenden Frauen in Bereichen tätig, die nicht offiziell geregelt sind. Auf dem Feld, auf Baustellen, als Tagelöhnerinnen, als Verkäuferinnen, Haushälterinnen oder als Wanderarbeiterinnen. Ohne feste Verträge, ohne Schutz bei Krankheit oder Unfall und ohne soziale Leistungen. Viele werden schlecht behandelt, ausgebeutet oder benachteiligt. Besonders betroffen sind Frauen aus indigenen Gemeinschaften, Frauen mit Gewalterfahrungen, LGBTQ+, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen und diejenigen, die aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert werden. Viele wissen nicht, was ihnen rechtlich zusteht, und sind von Armut betroffen, die schon seit Generationen in ihren Familien besteht.

Frauen organisieren sich
Shramajivi Mahila Samity (SMS) – 1995 gegründet – ist eine feministische Organisation, die von Frauen geführt wird. Das Projekt folgt drei einfachen Grundsätzen: Frauen zusammenbringen, ihnen Wissen geben und ihnen helfen, ihre Rechte einzufordern. Denn Menschen können sich gegen ungerechte Strukturen und schlechte Arbeitsbedingungen nur wirksam wehren, wenn sie sich zusammenschließen und wissen, was ihnen zusteht.

Treffen, verstehen, handeln
In Gruppen von 20 bis 30 Frauen kommen sie regelmäßig zusammen. Dort benennen sie ihre Probleme und suchen nach Lösungen. In monatlichen Treffen sprechen sie über Landrechte, staatliche Hilfsprogramme und Missstände bei den Arbeitsbedingungen. Sie planen, wie sie gemeinsam vorgehen können.
Wenn sich etwas dreht
Die Frauen erheben jetzt ihre Stimme, wenn etwas falsch läuft und nehmen aktiv am gesellschaftlichen Leben teil. Sie haben Landrechte für ihre Dörfer gesichert, Fördergelder beantragt und erhalten, Arbeitsausweise für Migrantinnen erreicht, Renten wie Witwen- oder Altersrenten eingeklagt. Wie SMS es ausdrückt: "Wir mobilisieren einzelne Frauen, die zu den verletzlichsten und unsichtbarsten Personen der Gesellschaft gehören. Vereint kämpfen sie für den Besitz von Land und gemeinschaftlichen Ressourcen."
Pukli Mahto trat während der Pandemie einer Gruppe bei. Sie gewann Selbstvertrauen und Anerkennung, sprach öffentlich über Probleme von Migrantinnen und wurde schließlich in den Gemeinderat gewählt. Heute setzt sie sich für ärmere Dorfbewohner:innen, alleinstehende Frauen und Familien ein. Ihre Geschichte zeigt: Aus Teilnahme am eigenen Leben kann politische Teilhabe entstehen.

Was daraus wird
Wenn Frauen sich zusammenfinden, sich unterstützen und gemeinsam handeln, können sie den Weg zu mehr Gerechtigkeit, mehr Teilhabe und mehr Würde für sich und ihre Gemeinschaften öffnen. SMS hat in 12 Distrikten über 5.700 Dörfer erreicht und sich für Geschlechtergleichstellung, soziale Inklusion und ökologische Gerechtigkeit in marginalisierten ländlichen Gemeinschaften engagiert.
SMS hinterfragt dabei nicht nur klassische Geschlechterrollen, sondern zielt auf den Abbau von Hierarchien und Machtgefällen in einem umfassendem Sinn ab. Das zeigt sich auch daran, dass SMS ihre unterstützende Arbeit auf LGBTIQ+ ausgeweitet hat. Vor allem Trans-Personen sind in Indien in besonderem Maße von Ausgrenzung und Gewalt betroffen.

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