Dalits in einem Dorf in Andhra Pradesh, wo CRASA aktiv ist

Wenn Dalits sich nehmen, was ihnen zusteht

INDIEN

Dalits stellen rund 250 Millionen der rund 1,3 Mrd Menschen Indiens - gehören aber noch immer zu den am stärksten ausgegrenzten und wirtschaftlich benachteiligten Gruppen der Gesellschaft. Hart erkämpfte finanzielle Förderprogramme, Quoten für Studien- und Arbeitsplätze sowie Gesetze zum Schutz vor Diskriminierung haben zwar einzelnen Dalits zum gesellschaftlichen Aufstieg verholfen. Die Mehrheit der Menschen, besonders auf dem flachen Land, wird von solchen Programmen nicht erreicht.

Das gilt auch für die Bewohner*innen der abgelegenen Gebiete des Krishna-Distriktes in Andhra Pradesh. Hier versucht unsere Partnerorganisation CRASA, den Dalit-Gemeinschaften die Förderregelungen zu vermitteln und steht ihnen bei, sie aktiv einzufordern.

„Fehlende Informationen über das, was den Menschen zusteht, und der nachhaltige Widerstand der Kastenhöheren sind die wesentlichen Ursache dafür, dass sich nichts ändert“, ist T. Yesupadam, CRASA-Koordinator, überzeugt. „Wenn diese Uninformiertheit über Dalit-Rechte dann auch noch auf korrupte Beamte in den Behörden trifft, dann herrscht Stillstand. Diese werden ohne den nötigen Nachdruck die Fördergelder nicht ausbezahlen.“
 

Wie CRASA benachteilten Dalits zu ihren Rechten verhilft

Um für diesen Nachdruck zu sorgen, unterstützt  CRASA die Menschen über spezielle Workshops, sich aktiv in die Dorfversammlungen und Gemeindeentwicklungskomitees (Community Development Committees, CDC) einzubringen. Auf diesem Weg können sie sich dort für ihre Rechte stark machen und mit dazu beitragen, dass ihr Dorf eine Schule oder eine Busanbindung bekommt, dass im Block eine Gesundheitsstation gebaut, öffentliches Land an landlose Dalits verteilt wird oder dass ein neuer Trinkwasserbrunnen entsteht.

800 Menschen wurden in diesen Workshops über die Notwendigkeit und Bedeutung von Gemeindeentwicklungskomitees aufgeklärt. In 5 Gemeinden treten nun 25 Frauen und 21 Männer mit Sachverstand und Selbstvertrauen in den verschiedenen Dorfgremien für ihre Anliegen ein und treffen sich sogar 4 mal im Jahr zu einem Austausch mit Vertreter*innen der staatlichen Behörden.

 

Fokus auf der Organisierung der Frauen

Zusätzlich dazu wurden alle Frauen in den 8 Dörfern der Projektregion dazu motiviert, sich in Frauen-Selbsthilfgruppen à 10-15 Frauen zusammenzuschließen. So lernen sie für sich zu sprechen und sich in kleinen Schritten immer mehr zuzutrauen. Irgendwann folgen dann auch die Workshops, die sie für die Partizipation auf Dorfebene rüstet.

Angeleitet von CRASA haben sie z.B. auf dem für Dalits reservierten Gemeindeland kleine Küchengärten angelegt, die zu einer gesünderen und ausgewogeneren Ernährung der ganzen Familie beitragen und manchmal sogar noch den Verkauf überschüssiger Gemüse und Kräuter ermöglichen.
 

Erfolge: In kleinen Schritten zu mehr Würde

„All diese kleinen Schritte –  vom Aufbau der Gemeinschaftsgärten, zusätzlicher Lebensmittelkarten, Zuschüsse zum Hausbau, Bau von 100 neuen Häusern, Renten für alte Menschen bis hin zu neuen Straßen zur Vernetzung der Dörfer – haben letztlich zu einem besseren Leben der rund  9.000 Menschen der Projektregion beigetragen“, fasst T. Yesupadam das Erreichte zusammen

Organisierte und gut informierte Dalits sind für viele Behörden und für parteiische Polizeikräfte zwar keine Freude, aber ihre Rechte und Ansprüche können nicht mehr so leicht ignoriert werden.  Zwar kam es  immer wieder zu Konflikten mit unwilligen Beamten, die jedoch dank der starken Dalitgemeinschaft, der Rückendeckung durch CRASA und durch geschicktes Taktieren bisher glimpflich verliefen.