Das Centre for World Solidarity (CWS) ist die zentrale indische Partnerorganisation der ASW mit Hauptbüro in Hyderabad. Es übernahm jahrzehntelang die Betreuung und Beratung der ASW-finanzierten Projekte. Seit indischen Gesetzesänderungen 2020 haben wir ein neues Modell der Zusammenarbeit mit dem CWS, in dem es selbst Projekte umsetzt und dabei eng mit lokalen Gruppen zusammenarbeitet, die Frauen und benachteiligte Gemeinschaften stärken. Die Projekte sind lokal verankert, selbstorganisiert und zielen auf eine langfristige Stärkung der Gemeinschaft ab.
Herausforderungen im Südosten Indiens
Mädchen und Frauen aus Dalit-, Adivasi- und anderen marginalisierten Gruppen erleben oft mehrfache Diskriminierung: Armut, traditionelle Rollenzwänge und eingeschränkter Bildungszugang. Hinzu kommen Bedrohungen durch Gewalt, Kinderarbeit und Frühverheiratung. Viele haben kaum Möglichkeiten, über ihr eigenes Leben zu entscheiden.
Räume für Veränderung schaffen
Genau hier setzt „Girl Power" an. In Workshops zu Geschlechtergerechtigkeit lernen die Mädchen, ihre Situation zu verstehen und aktiv zu verändern. Themen sind sexuelle Gewalt, Kinderarbeit, Hygiene und die Doppelbelastung durch Haus- und Familienarbeit. Durch lebendige Methoden wie Rollenspiele, offene Gespräche, kreatives Schreiben und Videoproduktion werden komplexe Inhalte greifbar gemacht.
Von der Teilnehmerin zur Verändererin
Das Projekt richtet sich primär an Mädchen aus benachteiligten Communities, bindet aber auch Eltern und Dorfvorsteher ein, um Veränderungen im gesamten Umfeld zu verankern. Lokale Mitarbeiterinnen des CWS gehen direkt in die Dörfer, um Vertrauen zu schaffen und die Zustimmung der Eltern zu gewinnen.
Viele Absolventinnen bleiben auch nach den Schulungen aktiv: Sie organisieren sich in Gruppen, produzieren eigene Aufklärungsvideos und thematisieren Missstände wie Kinderheirat öffentlich in ihren Gemeinden.
Emanzipation im Alltag
Die Ergebnisse sind konkret: Mädchen gewinnen Selbstvertrauen, Wissen und Handlungskraft. Sie lernen, dass ihre Rechte gelten, ihre Perspektive zählt und sie Missstände ansprechen dürfen. Ein Beispiel: Eine Teilnehmerin, die zu Beginn kaum etwas über ihre Rechte wusste, erstellt nach einem Jahr eigene Videos, um Gleichaltrige aufzuklären. Das ist Emanzipation im Alltag – sichtbar, hörbar und praktisch.
Nachhaltigkeit durch Netzwerke
Langfristig soll sichergestellt werden, dass die Mädchen auch als Erwachsene ihre Bürgerrechte wahrnehmen können. Das CWS plant daher, die Begleitung über die Schulzeit hinaus auszubauen, um Rückfälle in alte Abhängigkeiten zu verhindern. So entstehen stabile Netzwerke junger Frauen, die sich gegenseitig stützen und ihre Gemeinschaften nachhaltig verändern. „Girl Power" ist damit kein kurzfristiges Förderangebot, sondern ein langfristiger Aufbau von Mut, Wissen und solidarischer Veränderung – getragen von den Mädchen selbst.

