Kleinbäuerinnen im Cerrado geben ein Interview

Landrechte für Kleinbauern

BRASILIEN

Der Cerrado ist das zweitgrößte Ökosystem Brasiliens und erstreckt sich südwestlich des Amazonasregenwaldes vom Bundesstaat Paraná bis Maranhão. Seine Artenvielfalt ist einmalig. Dennoch werden er und seine traditionellen Bewohner:innen durch die immer stärkere Ausweitung von Soja- und Eukalyptus-Monokulturen bedroht.
Der Sojabohnenanbau, der im Süden Brasiliens begonnen hatte, war schon in den 80er Jahren im Cerrado von Maranhão angekommen, zum Nachteil der bäuerlichen Familienbetriebe, die dadurch ihr Land verloren haben. Damals gab es das brasilianisch-japanische Kooperationsprogramm PRODECER (Programme for development of Cerrado).

Heute werden neue Investitionen in den Sojaanbau geleitet, neue Gebiete in in Maranhão "erschlossen" und jedes Jahr Tausende von Hektar Savannenwald abgeholzt, was zum Verlust der biologischen Vielfalt führt und sich direkt auf die Wasserressourcen der Wassereinzugsgebiete und damit auf das Klima auswirkt. Die traditionelle Bevölkerung kann aufgrund der Umweltveränderungen und des Landraubs vielerorts nicht mehr überleben.

Hier setzt die Arbeit des Fórum Carajás an: Das Selbsthilfenetzwerk klärt die Gemeinschaften über ihre Rechte auf und steht ihnen in Landkonflikten mit Investoren oder Großgrundbesitzern bei. Außerdem unterstützt es sie bei der schonenden Bewirtschaftung des ökologisch gefährdeten Savannengebiets des Cerrado.

Nachdem die Aktivitäten des Fórums in den vergangenen Jahren in der Region Baixo Parnaiba (Wassereinzugsgebiet des Rio Parnaíba) umgesetzt wurden, ist seit 2019 und der Zunahme der Landnahmen unter der Regierung Bolsonaro die Arbeit auch auf andere Regionen des Bundesstaates ausgeweitet worden, wo Bürgerbewegungen bisher wenig erreichen konnten. Zum Beispiel aktive Quilombolagemeinschaften, die für Landtitel kämpfen und trotz bewaffneter Bedrohungen ihr Land gegen die vordringende Sojafront zu verteidigen versuchen.

Durch die Unterstützung der Verbesserung der Einkommen und Lebensqualität durch Hühnerzuchtprojekte und Aufforstung trägt das Forum Carajás zum Verbleib dieser Bewohner:innen in ihren Gebieten bei und stärkt ihre Ernährungssicherheit. Daneben erleben die NGO-Mitarbeiter:innen bei den Besuchen der Gemeinden hautnah deren Bedrohung durch Großgrundbesitzer, schalten rechtliche Instanzen ein und konnten bereits mehrere illegale Enteignungen verhindern. Vielfach wissen die Bewohner:innen weder um ihre Rechte noch an wen sie sich in ihrer Verzweiflung wenden können. So fungiert der Koordinator des Forums Carajas, von Haus aus Journalist, auch als Sprachrohr. Seine Pressearbeit macht die katastrophalen Menschenrechtsverletzungen sichtbar. Durch die Herstellung von mehr Öffentlichkeit kann das Forum auch Unterstützung durch andere Verbündete mobilisieren. Keine leichte Aufgabe in einer der ärmsten und abgelegendsten Gegenden Brasiliens!