Mit Gartenkuppeln gegen Hunger und Trockenheit

Unabhängige Initiative

Seit fast 50 Jahren leben Geflüchtete aus der Westsahara in der algerischen Wüste. Sie leiden unter den Folgen von Mangelernährung. Gartenkuppeln und Familiengärten tragen zu einer ausgewogeneren Ernährung bei.

Die Flüchtlingslager der aus der Westsahara Geflüchteten liegen in einem unwirtlichen Wüstengebiet im Süden Algeriens. Hier leben seit fast 50 Jahren rund 174.000 Menschen unter schwierigen Bedingungen. Die Nahrungsmittelhilfe, die sie über internationale Hilfslieferungen beziehen, sichert kein ausgewogenes Essen. „Drei von vier Frauen leiden unter Anämie und ein Drittel der Kinder sind chronisch mangelernährt", sagt der Agraringenieur Taleb Brahim, der das Projekt vor Ort begleitet*. Es gibt zu wenig frische und nahrhafte Lebensmittel, und die natürlichen Bedingungen sind so hart, dass klassische Landwirtschaft nicht funktioniert.

Doch die Menschen vor Ort haben selbst begonnen, ihre Situation zu verändern. Vor über zehn Jahren starteten Bewohner:innen der Flüchtlingslager erste Gemüsegärten. Diese 19 Gärten arbeiten mittlerweile komplett selbstständig ohne externe Mittel.

Gartenkuppeln mitten in der Wüste

Auf dieser Erfahrung baut auch das neue Projekt auf. Es setzt auf sogenannte „Food Domes" — innovative Gartenkuppeln, die mitten in der Wüste einen geschützten Raum schaffen, in dem Gemüse, Kräuter und Obst wachsen können. Wassersparende Systeme, schattengebende Kletterpflanzen und eine clevere Nutzung der wenigen Ressourcen machen das möglich. 

Vom Bau bis zur Ernte

Geplant sind der Bau und die Einrichtung von mindestens drei Gartenkuppeln mit Anbausystemen und Wasserspeichern. 23 geflüchtete Familien — darunter Menschen mit Behinderungen, Kinder, Frauen und ältere Menschen —  profitieren von dem Projekt. Sie werden geschult, damit sie die Kuppeln selbst verwalten, Pflanzen anbauen, Wasser sparsam nutzen und die Anlagen pflegen können. Gemeinsam wählen sie passende Sorten aus und pflanzen Obst, Gemüse, Kräuter sowie Kletter-, Gewürz- und Zierpflanzen.

Mehr als nur Gemüse

Frisches Obst, Gemüse und Kräuter direkt vor Ort anzubauen, verändert den Alltag der Familien: Vielfältigere Ernährung und effizientere Wassernutzung wird möglich. Die Familien werden selbstständiger und widerstandsfähiger im Umgang mit Krisen. Die Erfahrung der 19 bereits bestehenden Gärten zeigt, wie gut dieser Ansatz funktioniert und dass nachhaltige Landwirtschaft auch unter extremen Bedingungen möglich ist, wenn sie klug an die Umgebung angepasst wird.

*Es ist eine selbstverwaltete Initiative der Menschen vor Ort, getragen von ihrem Engagement und dem Wissen des Agraringenieurs Taleb Brahim. Das Rote Kreuz unterstützt bei den formalen Notwendigkeiten. Wir unterstützen das Projekt seit Beginn der ersten Gartenprojekte 2015.