Ein Stück Amazonas an der Spree

Munduruku zu Besuch in Berlin

Für zwei Wochen rückte der Amazonas ein Stück näher an Berlin. Luis Santos Painhum Munduruku von unserer Partnerorganisation Pariri und Rilcélia Akay Munduruku vom audiovisuellen Frauenkollektiv der Munduruku waren in der Stadt zu Gast, begleitet von Marco Antonio Mota (Partnerorganisation FAOR). 

Was nehmen wir daraus mit?

Zwischen Festivalbühnen, politischen Gesprächen und Kinoräumen entstand ein dichtes Programm, auf dem die widerständigen Stimmen unserer Partner aus dem brasilianischen Amazonasregenwald unmittelbar hörbar und erlebbar wurden: Die Räume und Formate waren dabei sehr vielfältig: vom Berliner Umweltfestival über den Botanischen Garten bis in den Bundestag und ins Münchner Kino. Bei öffentlichen Veranstaltungen, Filmvorführungen und Gesprächen mit Politiker:innen entstanden zahlreiche Gelegenheiten für direkten Austausch.

 

Bedrohung ihres Lebensraums durch Umweltzerstörung

Im Mittelpunkt aller Begegnungen standen die dramatischen Veränderungen im Amazonasgebiet. In eindringlichen Schilderungen berichteten Luis, Rilcélia und Marco von illegalem Goldabbau, Abholzung und Landraub sowie von Flüssen, die durch Quecksilber vergiftet sind. 

Es waren keine abstrakten Berichte, sondern konkrete Erfahrungen aus einem Alltag, der zunehmend von Gewalt und Unsicherheit geprägt ist. 

"Ohne den Fluss können wir uns nicht ernähren und ohne die Pflanzen können wir nicht atmen, können wir nicht leben." 

Rilcélia macht deutlich wie eng das Überleben der Munduruku mit dem Schutz der Umwelt verbunden ist. 

Ein Gebäude als Ort des Widerstands, des Austauschs und der Vernetzung

Gleichzeitig wurde deutlich, dass Widerstand und Selbstorganisation zentrale Antworten der Munduruku sind. Mit Nachdruck sprachen die Gäste über das Begegnungs-, Bildungs- und Kulturzentrum, welches sie mit Unterstützung der ASW und der Stadt Berlin aufgebaut haben. Es ist ein Ort, an dem Sprache, Wissen und kulturelle Identität bewahrt und gestärkt werden sollen. 

Im 2024 eröffneten Zentrum werden aber auch Patrouillen und Drohnenflüge geplant, Informationen gesammelt und damit der aktive Widerstand gegen illegale Goldsucher und Holzfäller in ihrem Territorium organisiert. Doch „mit jedem Erfolg wächst die Gegenreaktion, und sie wird härter“, fasst Luis die aktuelle Situation zusammen. 

 

Über Umweltzerstörung, gemeinsame Verantwortung und Solidarität

Die Begegnungen in Berlin waren geprägt von großer Offenheit und von Momenten, in denen es still wurde. Viele Zuhörer:innen reagierten bewegt auf die persönlichen Berichte. Immer wieder wurde deutlich, wie eng die Situation im Amazonas mit globalen Wirtschaftsstrukturen verknüpft ist und welche Verantwortung auch in Deutschland liegt.

Der Besuch machte greifbar, was internationale Solidarität bedeuten kann: langfristige Partnerschaften, politische Aufmerksamkeit und konkrete Unterstützung. Für die Munduruku bleibt der Schutz ihres Landes eine tägliche Aufgabe und für uns als Partnerorganisation die Verantwortung, diesen Kampf sichtbar zu machen und zu begleiten.

 

„Wir kämpfen nicht nur für uns, sondern für die ganze Welt. Wir leisten weiter Widerstand. Wir schützen die Wälder, die Flüsse die Natur“, beschreibt Rilcélia die globale Bedeutung ihres Kampfs und die Rolle ihres Heimarorts für das Klima weltweit.

Uns haben die Worte und Schilderungen der drei sehr bewegt und gezeigt, wie wichtig es ist, die Munduruku in ihrem Kampf um ihre Kultur und ihr Land zu unterstützen. 

 

Berlin übernimmt globale Verantwortung

Der Besuch fand im Rahmen der Initiative „Berlin aktiv im Klima-Bündnis“ statt, die darauf abzielt, die Mitgliedschaft Berlins im Klima-Bündnis stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und in die Stadtgesellschaft hineinzutragen. Sie wird neben der ASW noch von weiteren Berliner Organisationen der Zivilgesellschaft getragen.

Vielen Dank für Euren Besuch Luis, Rilcélia und Marco. Und Danke auch an Silke und Vini für Ihren unermüdlichen Einsatz zum Gelingen dieses tollen Partner:innenbesuches. 

Marek Burmeister