„Ich fordere die klassische Frauenrolle im Senegal heraus“

Fatimata Diop, Geschäftsführerin der ASW-Partnerorganisation APAF

„Mein Name ist Fatimata Diop und ich bin seit 2020 Geschäftsführerin der NRO APAF. Ich bin verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Die Kombination von Familien- und Berufsleben im Senegal ist eine Doppelbelastung.

Ich persönlich fülle sowohl meine Rolle im Haushalt wie im Beruf anders aus, als vorgesehen. Ich übernehme auch im Haus Finanzverantwortung und stelle damit den klassischen Status der Frau im Haushalt infrage. Auch im Beruf habe ich eine Leitungsfunktion, was ebenfalls nicht vorgesehen ist.
Jeden Morgen muss ich dafür sorgen, dass alle Aufgaben im Haushalt erledigt sind, bevor ich ins Büro gehe. Es ist eine Entscheidung, die ich getroffen habe, um zu arbeiten, und glücklicherweise habe ich einen Mann, der meinen Wunsch nach Autonomie versteht und akzeptiert. In vielen Dingen entscheiden wir gemeinsam. Aber der Großteil der Hausarbeit liegt in meiner Verantwortung. Aber mit der Unterstützung meiner Familie und einer hauswirtschaftliche Hilfskraft kann ich das gut organisieren.

Im beruflichen Umfeld muss ich aufgrund meiner Position Entscheidungen treffen, was in einem von Männern dominierten Sektor manchmal nicht einfach ist. Diese Position wird oft nicht so ganz akzeptiert, sowohl von den Angestellten als auch von den Bauern, mit denen wir arbeiten. Manchmal haben sogar unsere technischen Beraterinnen vor Ort Schwierigkeiten, ihre Rolle auf dem Feld voll auszufüllen, nur weil sie Frauen sind. "Was kann ein Bauer, der lange mit dem Land gearbeitet hat, von einer jungen Frau lernen?" Dies ist eine der Fragen, die sich einige der Bauern, mit denen wir arbeiten, stellen.

Auf dem Land gibt es viel zu tun, wenn es um die Emanzipation der Frauen geht. Sie werden immer darauf vorbereitet, Haus- und Feldarbeit zu verrichten. Es ist schwierig, vor Männern zu sprechen und die Autorität der Dorfvorsteher ist immer noch stark. Das Bildungsniveau der Frauengruppen, mit denen wir arbeiten, ist sehr niedrig. Meistens können von 25 Frauen nur fünf bis sieben lesen und schreiben.

Meiner Meinung nach muss in die Bildung der Frauen investiert werden, um eine grundlegende Verbesserung der Situation der Frauen zu erreichen. Es nützt nichts, Gesetze zu verabschieden, wenn die Adressatinnen und Adressaten den Inhalt nicht kennen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass mit steigendem Bildungsniveau auch die Selbstbestimmung der Frauen zunimmt. Daher setzen wir in unserer Arbeit sehr stark auf die Aufklärung und Ausbildung von Frauen.“