
Diesen Sommer feiert die Zivilgesellschaft in Togo einen historischen Sieg. Am 25. Juni 2026 erklärte der Gerichtshof der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) die umstrittene Verfassungsreform von 2024 für verfassungswidrig. Das Urteil bestätigt, dass das neue politische System gegen die Afrikanische Charta für Demokratie, Wahlen und Regierungsführung verstößt.
Die gesellschaftspolitische Lage in Togo ist von einem besorgniserregenden Rückgang der Rechtsstaatlichkeit, der bürgerlichen Freiheiten und der Unabhängigkeit der Justiz geprägt. Willkürliche Verhaftungen, Druck auf Journalist:innen und Aktivist:innen, Todesfälle in Haft sowie Versammlungsverbote schränken die Meinungsfreiheit massiv ein.
Die Verfassungsreform von 2024 wurde unter kontroversen Umständen verabschiedet und verlieh dem Präsidenten des Ministerrats umfassende Befugnisse. Sie gilt als die alarmierendste Entwicklung hinsichtlich der Menschenrechtslage und der Rechtsstaatlichkeit in Togo. Denn sie ist als Versuch der politischen Führung zu sehen, sich über die bisherigen Amtszeitbegrenzungen hinwegzusetzen – ein Staatsstreich durch Verfassungsänderung sozusagen. Die Reform löste heftige Kritik seitens der Opposition und der Zivilgesellschaft aus.

Aufgrund einer weitgehend vom Regime kontrollierten Justiz im Inland suchte die Opposition nach neuen Wegen. Unser Partner, die Bürgerbewegung „Front Citoyen Togo Debout“ (FCTD) unter der Leitung von David Dosseh, mobilisierte die Bevölkerung, vernetzte zivilgesellschaftliche Gruppen und sorgte für internationale Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit westafrikanischen Partnerorganisationen fokussierte sich die FCTD auf regionale Rechtsinstanzen. Mit Erfolg!
Der ECOWAS-Gerichtshof urteilte, dass die Reform fundamentale demokratische Prinzipien verletzt. Allerdings hob das Gericht die Verfassungsreform nicht direkt auf, sondern forderte Togo auf, zukünftige Änderungen an internationalen demokratischen Verpflichtungen auszurichten.
Für die ECOWAS selbst trägt das Urteil erhebliches Gewicht. Die Gemeinschaft westafrikanischer Staaten hatte bereits in früheren politischen Krisen in Togo als Vermittlerin fungiert. Jetzt muss sie demonstrieren, dass ihre Regeln verbindlich sind und demokratische Grundsätze mehr als nur Symbolik sind.
Dieses Urteil löst die politischen Probleme in Togo nicht über Nacht. Doch es gibt der Zivilgesellschaft eine wichtige juristische Grundlage für ihre weitere Arbeit und stärkt ihre Position.
Es zeigt vor allem eines: Regionale Gerichte können entscheidend werden, wenn nationale Justizsysteme ihrer Kontrollfunktion nicht nachkommen. Für die gesamte Region Westafrika ist dies ein wichtiges Präzedenzurteil und ein Moment der Hoffnung für alle, die nach rechtsstaatlichen Verfahren suchen.
Boubacar Diop

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