People – Power – Change: Die Schuldenkrise im Senegal – Ursachen, Auswirkungen und Wege zur Veränderung
Der Senegal weist weltweit die vierthöchste Auslandsschuldenlast auf: Fast vierzig Prozent des gesamten öffentlichen Haushaltes fließen als Zahlungen an ausländische Gläubiger ab – das ist fast 20-mal so viel wie in Deutschland. Dadurch fehlt das Geld für wichtige Investitionen in Bildung, Gesundheit, Ernährungssouveränität oder den Ausbau der flächendeckenden Energie-Infrastruktur. Ein Großteil der Schulden wurde unter der wirtschaftsliberal geprägten Regierung unter Macky Sall aufgenommen. Sall war von 2012 bis 2024 Präsident des Landes und hat eng mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank zusammengearbeitet. Die seit 2024 regierende PASTEF-Regierung trat mit dem Versprechen an, die wirtschaftspolitische Souveränität zu stärken und neokoloniale Abhängigkeiten zu überwinden. Eine von ihr eingeleitete Überprüfung der Staatsfinanzen zeigte, dass die Verschuldung unter Macky Sall deutlich höher war als angegeben. Kritiker:innen werfen dem IWF vor, in der Zusammenarbeit mit Sall über Jahre hinweg offensichtliche Inkonsistenzen in den Daten übersehen zu haben.
Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, Stimmen aus dem Senegal zur aktuellen Schuldenkrise sichtbar zu machen, Machtstrukturen kritisch zu beleuchten und Perspektiven für Veränderung und mehr globale Gerechtigkeit zu diskutieren. Die Reihe verbindet persönliche Erfahrungen mit struktureller Analyse und schafft einen transnationalen Dialograum für gemeinsame Handlungsansätze.
Die Veranstaltungen finden digital auf Deutsch und Wolof statt.
Teil I: People – Stimmen aus dem Senegal
Mi., 30.09.2026, 19:00–20:30 Uhr Berlin / 17:00–18:30 Uhr Dakar
Im ersten Teil der Veranstaltungsreihe stehen persönliche Perspektiven im Mittelpunkt. Boubacar Diop, Projektkoordinator bei der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt, gibt einen Überblick über die ökonomischen und politischen Entwicklungen Senegals der letzten Jahre. Souleymane Gueye, Generaldelegierter von FRAPP aus dem Senegal, berichtet, wie sich die aktuelle Verschuldungssituation auf das Leben der Menschen auswirkt. Ziel ist es, ein differenziertes Bild der Lebensrealitäten zu vermitteln und konkrete Auswirkungen der Schuldenkrise und politischer Entscheidungen sichtbar zu machen.
Teil II: Power – Wer hat die Macht?
Mi., 07.10.2026, 19:00–20:30 Uhr Berlin / 17:00–18:30 Uhr Dakar
Der heterodoxe senegalesische Ökonom Ndongo Samba Sylla analysiert im zweiten Teil der Veranstaltungsreihe zentrale Machtverhältnisse zwischen der senegalesischen Regierung, dem IWF und internationalen Gläubigern. Aufbauend auf seiner Arbeit zu globalen Finanzstrukturen, Währungsregimen und postkolonialen Abhängigkeiten beleuchtet er Fragen wie:
Welchen Handlungsspielraum hat die senegalesische Regierung angesichts der hohen Auslandsverschuldung, des CFA-Franc Regimes und bestehender wirtschaftlicher Abhängigkeiten?
Welche Rolle spielen der IWF, die Weltbank, Gläubiger und private Akteure?
Welche Ansätze könnten die wirtschaftliche und monetäre Souveränität Senegals stärken?
El Hadji Abdoulaye Seck von FRAPP wird die Moderation übernehmen.
Teil III: Change – Wege zu Schuldengerechtigkeit
Di., 13.10.2026, 18:00–19:30 Uhr Berlin / 16:00–17:30 Uhr Dakar
Der dritte Teil richtet den Blick nach vorn und fokussiert auf konkrete Veränderungsansätze. Modou Ndiaye, promovierter Wirtschaftsforscher am IDAN (International Development Economics Associates – Africa Network) berichtet über den Kampf gegen neokoloniale Abhängigkeiten und für Schuldengerechtigkeit im Senegal. Gemeinsam mit Speaker*innen von Debt for Climate (angefragt) und erlassjahr.de diskutieren sie, wie globale und lokale Kämpfe ineinandergreifen und wie transnationale Solidarität aussehen kann. Es wird auch darum gehen, wie Menschen im Senegal und in Deutschland für globale Schuldengerechtigkeit aktiv werden können.
Die Veranstaltung findet statt als Kooperation zwischen Aktionsgemeinschaft solidarische Welt, erlassjahr.de und FRAPP.

