
Der illegale Goldbergbau im brasilianischen Amazonasgebiet stellt ein massives Umwelt- und Menschenrechtsproblem dar. Illegale Goldschürfer, die sogenannten „Garimpeiros”, dringen in geschützte Gebiete und indigene Territorien ein. Dort fördern sie Gold – häufig unter Einsatz von hochgiftigem Quecksilber, welches Böden und Gewässer nachhaltig verseucht. Die Dimensionen sind alarmierend: Schätzungen zufolge stammen bis zu 50 Prozent des aus Brasilien exportierten Goldes aus solchen illegalen Quellen.
Wie das Gold seine "Legalität" erlangt
Kriminelle verschleiern die Herkunft des Goldes mit sogenannten „Geister-Genehmigungen“, das sind offizielle Dokumente für Gebiete, in denen gar kein Bergbau stattfindet. So wird illegales Gold als „legal” deklariert. Zwischen 2018 und 2026 wurden auf diese Weise 26,8 Tonnen Gold im Wert von fast 4 Milliarden Dollar „gewaschen”.
Der Weg nach Deutschland
Zwischen 2019 und 2023 importierte Deutschland 720 Tonnen Gold, mehr als die Hälfte davon über die Schweiz. Allein 1,3 Tonnen kamen direkt aus dem brasilianischen Bundesstaat Amazonas – mit hoher Wahrscheinlichkeit aus illegalem Abbau. Das Gold fließt weiter – in Schmuckstücke, Elektronikgeräte oder Finanzprodukte –, die später als Konsumgüter in unseren Händen landen. Ohne dass wir ahnen, woher das Material wirklich stammt.

Partner der ASW massiv betroffen
Die indigene Gemeinschaft der Munduruku lebt im Südwesten des Bundesstaats Pará, einer der Regionen, die am stärksten vom illegalen Goldabbau betroffen sind. Die Folgen sind verheerend. Quecksilber aus dem Goldabbau vergiftet Flüsse und Fische, die die Hauptproteinquelle der Munduruku darstellen. Schwere Schürfbagger wühlen den Grund auf und trüben das Wasser ein. Dadurch können keine Fische mehr gefangen werden. Selbst mitten im Amazonasgebiet fehlt es an sauberem Trinkwasser. Indigene Dorfbewohner:innen werden bedroht, wenn sie sich gegen bewaffnete Goldgräber wehren, die oft mit der organisierten Kriminalität zusammenarbeiten.
Das Lieferkettengesetz als Schutzinstrument
Das deutsche Lieferkettengesetz verpflichtet größere Unternehmen dazu, menschenrechtliche und umweltbezogene Risiken in ihren Lieferketten zu erkennen, zu vermeiden und anzugehen. Dies gilt auch beim Kauf von Gold.
Unternehmen müssen Risiken prüfen und bei Problemen Maßnahmen ergreifen. Das bedeutet: Sie müssen ihre Lieferant:innen überprüfen, Audits durchführen, gegebenenfalls die Zusammenarbeit beenden und öffentlich berichten. Betroffene können zudem Verstöße melden, was zusätzliche Kontrolle schafft.
Die Lücken sind leider noch sehr groß
Viele Unternehmen kaufen Gold über Zwischenhändler, beispielsweise in der Schweiz. Das erschwert die Rückverfolgung. Ohne strenge Kontrollen und unabhängige Prüfungen können gefälschte Dokumente weiterhin genutzt werden. Kleine und mittlere Unternehmen sind oft nicht direkt vom Gesetz betroffen, können aber indirekt in die Lieferkette eingebunden sein.
Widerstand benötigt sowohl lokale Stärke als auch politische Rückendeckung
Das Lieferkettengesetz ist kein Allheilmittel. Doch es ist ein wichtiges Instrument, um Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen sichtbar zu machen und Unternehmen in die Verantwortung zu nehmen. Wo es konsequent angewendet wird, entsteht Druck auf Unternehmen und auf den brasilianischen Staat, illegale Minen effektiver zu bekämpfen.
Jetzt geht es darum, diese Errungenschaften zu verteidigen. Die aktuellen EU-Omnibus-Gesetze bedrohen genau die Regeln, diese Schutz bieten könnten. Der Kampf gegen den illegalen Goldabbau ist global. Er wird vor Ort im Amazonas geführt – aber auch in den Beratungssälen von Brüssel und Berlin.
Marek Burmeister

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