
Indigene Gemeinschaften am Xingu-Fluss in Brasilien kämpfen gegen den Bau einer Goldmine und die Zerstörung des Amazonas. Ihr Leben ist bereits durch den Belo-Monte-Staudamm geprägt, der den Fluss schwächt und ihre Lebensgrundlagen bedroht.
Indigene Frauen führen den Protest an
Der Kampf unserer Partner am Xingu-Fluss im brasilianischen Amazonasgebiet ist ein Kampf ums Überleben – für den Fluss selbst und für die indigenen Völker, die dort leben. Sie stellen sich dem kanadischen Bergbauunternehmen Belo Sun entgegen, das im Gebiet Volta Grande do Xingu eine der größten Goldminen Brasiliens bauen will, mit einem riesigen Tagebau und einem großen Absetzbecken für giftige Abfälle.
Aktuell haben Hunderte indigene Frauen aus den Xingu-Völkern in der Stadt Altamira (Pará) das regionale Büro der staatlichen Indigenenschutzbehörde FUNAI besetzt. Mit dieser Aktion wollen sie das Bergbauprojekt stoppen und gegen aktuelle Gerichtsentscheidungen zugunsten der Mine protestieren.
Was für die Menschen am XINGU auf dem Spiel steht
Für Völker wie die Juruna, Arara, Xikrin und andere traditionelle Gemeinschaften ist der Xingu viel mehr als ein Fluss: Er ist Trinkwasserquelle, Nahrungsgrundlage, Verkehrsweg und ein zentraler Teil ihrer Spiritualität und Kultur. Durch den Staudamm Belo Monte ist der Fluss bereits umgeleitet und geschwächt worden. Die Menschen berichten von weniger Wasser, weniger Fischen und tiefgreifenden Veränderungen in ihrem Alltag.
Die geplante Goldmine verstärkt diese Angst: Ein großes Becken mit hochgiftigen Rückständen könnte bei einem Unfall Millionen Kubikmeter Schlamm in den Fluss spülen und Wasser, Fische und Menschen vergiften. Für die indigenen Völker bedeutet das nicht nur Umweltzerstörung, sondern eine direkte Bedrohung ihrer Gesundheit, ihrer Ernährungssicherheit und ihrer Kultur. Sie wehren sich gegen Zwangsumsiedlungen, Landraub und die Vorstellung, dass „Entwicklung“ nur in Form von Großprojekten möglich sei, die ihre Territorien opfern.
Rechte auf Mitsprache – und wie sie missachtet werden
Nach brasilianischem Recht und internationalen Abkommen haben indigene Völker das Recht, vorher, frei und informiert konsultiert zu werden, wenn Projekte ihr Land betreffen. Aus Sicht der Gemeinden ist genau das beim Belo-Sun-Projekt nicht geschehen: Wichtige Informationen seien zurückgehalten oder verharmlost worden, Entscheidungsprozesse liefen an ihnen vorbei.
Mehrfach haben Gerichte deshalb die Baulizenz der Mine ausgesetzt und angeordnet, dass zunächst spezielle Studien zu den Auswirkungen auf indigene Gebiete erstellt und echte Konsultationen durchgeführt werden müssen. Für die indigenen Völker sind diese Urteile ein wichtiger Etappensieg: Sie zeigen, dass ihre Rechte nicht völlig ignoriert werden dürfen – auch wenn der politische und wirtschaftliche Druck groß ist.
Die Rolle des ASW Partners Movimento Xingu Vivo Para Sempre
In diesem Konflikt ist das Movimento Xingu Vivo Para Sempre zu einer Schlüsselfigur geworden. Es koordiniert ein breites Bündnis aus indigenen Gemeinschaften, Flussanwohner:innen, Kleinbäuer:innen, kirchlichen Gruppen und Umweltorganisationen, das sich ursprünglich gegen den Staudamm Belo Monte formierte und heute auch den Widerstand gegen Belo Sun trägt. Durch diese Vernetzung sind die Gemeinden nicht mehr isoliert, sondern treten als Teil eines größeren Netzwerks auf. Das erschwert es Unternehmen und staatlichen Stellen, einzelne Dörfer unter Druck zu setzen, mit falschen Versprechen zu ködern oder gegeneinander auszuspielen.
Alltag des Widerstands
Der Widerstand der indigenen Völker am Xingu ist kein einmaliges Ereignis, sondern Teil ihres Alltags. Gemeinderversammlungen, Protestmärsche, Flussfahrten zu symbolischen Orten und Reden vor Behörden und Gerichten, all das gehört dazu. Älteste, Frauen und junge Menschen sprechen öffentlich über ihre Geschichte, ihre Verbindung zum Fluss und ihre Angst vor den Minenprojekten.
Gleichzeitig berichten Organisationen von Drohungen und Einschüchterungen gegen indigene Anführer:innen und Aktivist:innen, die sich gegen Belo Sun stellen. Auch hier spielt Xingu Vivo eine zentrale Rolle: Das Netzwerk macht solche Übergriffe öffentlich, vernetzt Betroffene mit Menschenrechtsgruppen und erhöht so den Druck, dass diese Fälle nicht unter den Teppich gekehrt werden.
Marek Burmeister

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