Die große grüne Mauer

Versandete Vision oder Hoffnung auf einen grünen Sahel?

Die Eckdaten zum größten multinationalen Umweltprojekt klingen vielversprechend: 2007 beschloss die Afrikanische Union ein neues „Weltwunder“ zu schaffen. Um der Desertifikation auf dem afrikanischen Kontinent, also der Ausbreitung der Sahara, entgegenzuwirken, soll eine große grüne Mauer in der Sahelzone errichtet werden. Dafür, so der ursprüngliche Plan, werden bis 2030 rund 100 Mio. Hektar Land mit Bäumen bepflanzt. Der Grünstreifen erstreckt sich dann über eine Länge von fast 8.000 km und 15 km Breite von der Küste Senegals in Westafrika bis in den Osten von Dschibuti.

14 Jahre später kann eine erste Bilanz gezogen werden: Das Mammutprojekt kommt in einigen Regionen gut voran, in anderen nur schleppend bis gar nicht. Mittlerweile wird nicht mehr von einer Mauer gesprochen, sondern von einem Mosaik. Das bringt es auch eher auf den Punkt. Oder trifft den Punkt?

Klimawandel und Wüstenbildung betreffen alle - doch die Umsetzung ist schleppend

Während beispielsweise im Senegal eine engagierte Regierung die Aufforstung vorantreibt und der hier liegende Teil des Mosaiks wächst und gedeiht, behindert in Burkina Faso die angespannte politische Lage ein Vorankommen. Zwar sind auch hier schon fast 21.000 ha Land unter Einbezug der lokalen Bevölkerung aufgeforstet worden, doch der ambitionierte Zeitplan von einst kann schon lange nicht mehr eingehalten werden – nicht nur in Burkina Faso.

Der afrikanische Kontinent und seine Bevölkerung sind stark vom Klimawandel betroffen, haben aber in der Summe fast keinen Anteil an den zumeist menschengemachten schädlichen Treibhausgas-Emissionen, die ihn u.a. auslösen und stetig verstärken. Die anhaltenden Dürren sind nicht nur in der Sahelzone allgegenwärtig. Doch hier schreitet die „Verwüstung“ am schnellsten voran und beeinflusst das Leben der ansässigen Menschen und damit Politik und Wirtschaft in der Region zunehmend. Arbeitslosigkeit und Armut sind eine direkte Folge des Klimawandels, die mit dem Projekt der „großen grünen Mauer“ bekämpft werden sollen und können.

Die Hauptakteurin ist die lokale Bevölkerung

Darum ist die Idee grundsätzlich auch gut und lobenswert, vor allem, wenn die emissionsreichen Länder des globalen Nordens in die Finanzierungspflicht genommen werden. Hingegen ist die Umsetzung nicht einfach: Das zu bewirtschaftende Land ist und war zum großen Teil aufgrund der Trockenheit nicht mehr bewohnt. Die Einbindung der lokalen Bevölkerung ist bei diesem Projekt allerdings unabdinglich.
Denn es genügt nicht, Setzlinge in die Erde zu bringen. Grünflächen müssen gepflegt werden. Darum müssen Anreize zum Mitmachen für die Bevölkerung geschaffen werden. Neben der Jobsicherheit gilt es auch eine soziale Infrastruktur für ein Leben vor Ort aufzubauen. Die Menschen müssen sich in allererster Linie selbst versorgen können, bevor sie in der Lage sind, sich um die Pflanzen, die zu Beginn wenig ertragreich sind, zu kümmern – um nur eine Schwierigkeit zu erwähnen, von der Wasserversorgung ganz abgesehen. Außerdem ist es hilfreich, wenn sich die Anwohner*innen mit dem Projekt identifizieren, es nicht von „oben“ übergestülpt wird. Dafür muss für sie erkennbar sein, dass sie einen langfristigen Nutzen davon haben, was zum Beispiel über Schulungen vermittelt werden kann.                                    

Die große grüne Mauer ist also ein begrüßenswertes Projekt, zu dessen Gelingen eine multinationale Koordinierung und vielfältige lokale Anpassungen notwendig sind, die vor allem die lokale Bevölkerung beisteuern muss. Für diese riesige Aufgabe braucht es einen langen Atem und damit Zeit, die wir gerade in Hinblick auf die schnell voranschreitende Erderwärmung nicht haben.

Quelle: https://www.unccd.int/actions/great-green-wall-initiative

Von Franziska Kohlhoff