
Burkina Faso befindet sich seit Jahren in einer schweren Krise. Ausgelöst durch den Massenaufstand von 2014 gegen den Langzeitherrscher Compaoré folgte eine Phase politischer Instabilität, die 2022 mit zwei Militärputschen ihren Höhepunkt erreichte. Heute ist eine zunehmende Militarisierung im öffentlichen Leben zu beobachten, während die Gewalt durch terroristische Anschläge dramatisch eskaliert.
Humanitäre Lage verschärft sich
Die Verschlechterung der Sicherheitslage hat verheerende Folgen: Über zwei Millionen Menschen sind Binnenvertriebene und mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist auf humanitäre Hilfe angewiesen. In vielen Regionen können Felder nicht mehr bewirtschaftet werden. Während die Anbauflächen schrumpfen, steigen Steuern und Abgaben. In von bewaffneten, terroristischen Gruppen kontrollierten Gebieten kommen willkürliche und diskriminierende Zwangsabgaben hinzu. Ganze Ortschaften sind von der Außenwelt abgeschnitten und nur noch mit Militärkonvois oder über Hilfskorridore erreichbar. Auch das Bildungssystem steht unter enormem Druck: Klassen mit bis zu 150 Schülerinnen und Schülern sind keine Seltenheit und die Unterrichtsqualität sinkt spürbar. Gleichzeitig schwächt die politische Instabilität die Wirtschaft. Investoren ziehen sich zurück, Arbeitsplätze gehen verloren und Armut, Hunger sowie insbesondere Jugendarbeitslosigkeit nehmen weiter zu.
Einschränkung des zivilgesellschaftlichen Raums
Parallel dazu verschärft sich das gesellschaftliche Klima spürbar: Bürgerrechte werden systematisch ausgehöhlt, Entführungen und das gewaltsame Verschwindenlassen von Menschen sind an der Tagesordnung und auch Strafmaßnahmen wie Beschlagnahmungen kommen immer häufiger vor. Besonders alarmierend ist zudem eine Welle offener Drohungen, die sich gezielt gegen Aktivist:innen und Akteure der Zivilgesellschaft richten und oft öffentlich in sozialen Netzwerken verbreitet werden. Auch die Pressefreiheit gerät immer stärker unter Druck, während neue Gesetze die Handlungsspielräume zusätzlich einschränken.
ODJ als lokale Kraft und die konkrete Arbeit vor Ort
In diesem schwierigen Kontext zählt die ODJ zu den wenigen Jugendorganisationen, die in mehreren Regionen weiterhin präsent und aktiv sind. Mit niedrigschwelligen Angeboten, die von sportlichen Aktivitäten und lokalen Treffen bis hin zu Aufklärungskampagnen zu Bürgerrechten, Menschenrechten und der Sicherheitslage reichen, erreicht sie junge Menschen direkt vor Ort. Sie informiert, mobilisiert und hält zumindest in Ansätzen Räume für Engagement offen. Auch durch gezielte Lobbyarbeit bei der Regierung und den Vereinten Nationen verschafft die ODJ den Anliegen der Bevölkerung Gehör. Durch Beiträge zu Menschenrechtsberichten, die Überwachung offizieller Programme und die Begleitung politischer Prozesse macht sie Missstände in der öffentlichen Politik sichtbar und bringt insbesondere die Perspektiven junger Menschen in die öffentliche Debatte ein.
Das Projekt mit der ASW
Das gemeinsam mit der ASW umgesetzte Projekt knüpft genau hier an. Es sichert die Fortführung von Sensibilisierungs- und Organisationsarbeit, stärkt den Austausch in den Stadtvierteln und trägt zur Widerstandsfähigkeit der Gemeinden bei. Trotz begrenzter Mittel erzielt die ODJ konkrete Verbesserungen, etwa durch Dialogforen und Netzwerke.
Herausforderungen unserer Partnerorganisation im Alltag
Gleichzeitig ist die Umsetzung von Aktivitäten wie Reisen und Austausch aufgrund der angespannten Sicherheitslage mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden: Viele Gebiete sind nur mit militärischer Begleitung erreichbar und vor allem der Zugang zu besonders vulnerablen Regionen ist stark eingeschränkt. Neue Vorschriften für zivilgesellschaftliche Organisationen, wie strenge Genehmigungsverfahren oder finanzielle Auflagen, engen die Handlungsspielräume stark ein, stellen grundlegende Freiheitsrechte infrage und erhöhen das Risiko politischer Erpressung.
Auch wirtschaftliche Faktoren wie steigende Preise und hohe Transportkosten belasten die Arbeit. Außerdem erschweren die Bedingungen vor Ort die Dokumentation von Projektaktivitäten. Die Angst vor Repression – sowohl im analogen als auch im digitalen Raum – führt zudem dazu, dass öffentliche Mobilisierungen kaum stattfinden kann
ODJ setzt verstärkt auf lokale Verankerung
Um unter diesen widrigen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben, setzt die ODJ verstärkt auf lokale Verankerung. Aktivitäten werden gezielt in die Quartiere verlagert, wo Austausch und Engagement weiterhin möglich sind und sich seit Beginn der Krise sogar intensiviert haben. Gleichzeitig diversifiziert die Organisation ihre Ansätze, beispielsweise durch kleinere Dialogformate, Kampagnen vor Ort, Diskussionsrunden, schriftliche Advocacy-Arbeit und den Austausch mit lokalen und nationalen Behörden. Zudem arbeitet sie enger mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren zusammen, um gemeinsam mehr Wirkung zu entfalten.
Erste Erfolge sichtbar
Das Projekt mit der ASW zeigt bereits erste positive Entwicklungen. Es ist ODJ gelungen, in ihren Einsatzgebieten fest verankert zu bleiben, eine Vielzahl an Aktivitäten aufrechtzuerhalten und nach wie vor viele junge Menschen zu erreichen, die sich aktiv einbringen. In den Stadtvierteln haben sich der Austausch und die gegenseitige Unterstützung gestärkt, wodurch sich die Resilienz vor Ort erhöht hat. Zudem gelingt es immer besser, die Anliegen der Bevölkerung – auch zu sensiblen Themen wie Land- und Rohstoffpolitik – klarer zu artikulieren und durch gezielte Lobbyarbeit punktuell politische Erfolge zu erzielen. In einzelnen Bereichen zeichnet sich außerdem eine vorsichtige Wiederöffnung zivilgesellschaftlicher Räume ab, etwa durch eine Stärkung der Rolle lokaler Versammlungen und eine bessere Vertretung der Jugendlichen. Der Dialog mit staatlichen Akteuren ist nicht vollständig abgebrochen.
Prioritäten für die weitere Zusammenarbeit zwischen ODJ, ASW und der lokalen Bevölkerung
Weitere Stärkung der Basisarbeit in Stadtvierteln und unterversorgten Gebieten, um mehr junge Menschen, Frauen und die von Ernährungsunsicherheit stark betroffene ländliche Bevölkerung zu erreichen. Gleichzeitig müssen die organisatorischen und finanziellen Kapazitäten von ODJ gestärkt werden, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Ebenso wichtig ist die Fortführung und Vertiefung der Advocacy-Arbeit, insbesondere in den Bereichen Bürgerrechte, wirtschaftliche Governance – vor allem im Bergbau – und Schutz von Menschenrechtsverteidiger:innen. Schließlich sind gezielte Unterstützung und interne Solidaritätsmechanismen für Aktivist:innen in prekären Situationen notwendig, um ihren Einsatz trotz der Risiken und des Drucks auch langfristig zu sichern.
Boubacar Diop

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