Ökologischer Fußabdruck in Indien

Die ärmeren Landbewohner*innen leben klimaverträglich

 

Menschen, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, leiden unter dessen Folgen am meisten. Weltweit sind das vor allem die marginalisierten Menschen in den ländlichen Regionen der Südhalbkugel.
Zu diesen zählen auch mindestens 700 Millionen Inder und Inderinnen, also rund 60 Prozent der 1,4 Milliarden Bevölkerung, die auf dem Land von kleinbäuerlicher Landwirtschaft oder als Tagelöhner*innen leben. Sie sind zunehmend von Dürren, Zyklonen und ungewöhnlichen Monsunregenfällen betroffen. Viele können von der Landwirtschaft nicht mehr überleben. 

 

Die großen Klima-Schurken dieser Welt

Zugleich ist die Wirtschaftsnation Indien einer der größten CO2-Emittenten der Welt. Mit einem jährlichen Ausstoß von 2,5 Mrd Tonnen CO2 nimmt Indien gleich nach China (9,8 Mrd), den USA (5,3 Mrd) und der EU (3,5 Mrd) den vierten Platz auf der „Weltrangliste“ der Klima-Sünder ein. Im Vergleich dazu schneiden andere Projektländer der ASW wie Senegal und Burkina Faso, die allerdings auch deutlich kleiner sind, mit 9,6 Mio bzw 4 Mio Tonnen sehr bescheiden ab.

 

Die Vergleichsbasis ist der ökologische Fußabdruck der einzelnen Bürger*innen

Wie ungerecht es auf unserer Welt zugeht, zeigt allerdings erst der Blick auf den ökologischen Fußabdruck der einzelnen Menschen in den Ländern. Während ein*e US-Amerikaner*in mit ihrem Lebensstil pro Jahr 16,56 Tonnen CO2 zu verantworten hat und ein*e Deutsche*r 8,5 Tonnen, trägt ein*e Senegales*in nur 0,74 Tonnen bei und ein*e Bürger*in Burkina Fasos nur 0,2 Tonnen.

Und die Inder*innen? Sie liegen im Durchschnitt auch nur bei 1,96 Tonnen, also ungefähr bei den zwei Tonnen Kohlendioxid jährlich pro Kopf, die wir – z.B. laut einer Richtschnur von Greenpeace – nicht überschreiten dürfen, wenn wir unsere Welt auch für kommende Generationen erhalten wollen.

 

Die arme Hälfte der Gesellschaft drückt den Pro-Kopf-Ausstoß

Was heißt das für die Frage nach der Gerechtigkeit? A) heißt das, dass die Europäer*innen und Amerikaner*innen erst einmal ihren eigenen CO2-Ausstoß auf etwa ein Fünftel herunterfahren müssen, bevor sie mit dem Finger auf den Klimasünder Indien zeigen.


Und B) deuten die Zahlen auf ein massives Gefälle in der indischen Gesellschaft bezüglich der Konsumstile und der Teilhabe an der wirtschaftlichen Entwicklung hin.

Von den rund 500 Millionen Inder*innen, die einen modernen westlichen Lebensstil mit Auto, Reisen und exzessivem Konsum pflegen, werden die meisten pro Kopf kaum weniger CO2 zu verantworten haben als eine Europäer*in. 

Es müssen also die 700 Millionen armen und ländlichen Menschen des Subkontinents sein, die der Gesamtnation Indien diesen vorteilhaften Pro-Kopf Co2-Fußabdruck bescheren.

Also genau jene, die unter dem Klimawandel am meisten leiden.

Zahlen zu CO2-Profilen aus ourworldindata.org

 

 

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