Migration aus dem Senegal

Nur ein multilateraler Ansatz ist zielführend

Der senegalesische Präsident Bassirou Diomaye Faye war am Mittwoch, dem 11. September, in Mbour, um den Familien der Opfer sein Beileid auszusprechen. Ein Boot mit 86 Migrant:innen auf dem Weg nach Europa war am Strand von Mbour gekentert. 26 Menschen kamen dabei ums Leben.
Diese Tragödie hat die Migrationsdebatte im Land neu entfacht. Der Hoffnung weckende Schwung durch die neue Regierung, die das Land positiv verändern und jungen Menschen einen Arbeitsplatz bieten will, reicht nicht aus, um die Abwanderung der jungen Menschen zu beenden. Laut Djibril Diawara, Kapitän der senegalesischen Marine, wurden im vergangenen Jahr (2023) 9131 Personen gestoppt, die mit traditionellen „Pirogue“-Booten nach Europa aufgebrochen waren. 2024 waren es bis September bereits 4198.


Senegal als Laboratorium der europäischen Migrationspolitik

Senegal ist bekannt dafür, ein Laboratorium der europäischen Migrationspolitik in Afrika zu sein. Diese Politik zielt darauf ab, Migranten in ihren Herkunftsländern zu blockieren und im Gegenzug Gelder aus der internationalen Zusammenarbeit zu erhalten. Diese Gelder sind für den Grenzschutz, die Förderung legaler Migrationswege und die Bekämpfung von Fluchtursachen bestimmt. In diesem Sinne wurden auch zahlreiche bilaterale Abkommen zwischen Senegal und den EU-Ländern geschlossen und viele Projekte umgesetzt. Für Deutschland können wir das Programm „Erfolgreich im Senegal“ und viele andere Projekte in dieser Richtung aufzählen.
Die Ineffizienz eines solchen Ansatzes ist hinlänglich bekannt, wie die oben genannten Zahlen verdeutlichen.


Bewegt sich Spanien in der Migrationsfrage?

Der spanische Premierminister Pedro Sánchez war am 29. August nach seinen Stationen in Gambia und Mauretanien auf einer Reise durch den Senegal. Das Hauptthema dieser Besuche war die "zirkuläre Migration", und es wurden drei bilaterale Abkommen zwischen Spanien und den drei jeweiligen Ländern unterzeichnet. Dies ermöglicht es den Unterzeichnerstaaten, eine bestimmte Anzahl von Arbeitnehmer:innen, die in Spanien benötigt werden, anzuwerben. Diese müssen nach Ablauf ihres Arbeitsvertrags in ihr Heimatland zurückkehren.  In Mauretanien äußerte sich Sanchez auch über die Bedeutung von Migration für die alternde Gesellschaft in Spanien und nennt ihren positiven Beitrag für die spanische Wirtschaft. Migration sei eine Frage der "moralischen Prinzipien, der Solidarität und der Würde", erklärte er. Sie müsse aber, so der Spanier weiter, reguliert werden. Handelt es sich um einen neuen, transparenteren und humaneren Ansatz in der spanischen Migrationspolitik?
 

Bassirou Diomaye Faye begrüßte die Initiative und sagte, dass nur ein multilateraler Ansatz eine Lösung für die Probleme im Zusammenhang mit der Migration bieten könne. Die Initiative kommt zu einer Zeit, in der in den meisten europäischen Ländern Ansätze, die Einwanderung für junge Afrikaner:innen und andere Migrant:innen unattraktiv zu machen, großen Zuspruch finden. In Deutschland wurden sogar die Grenzkontrollen wieder aufgenommen und die Gesetze zur Abschiebung von Ausländer:innen verschärft.

Von Boubacar Diop

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